Täglicher Archiv: Modeindustrie

Why The Fashion Industry Needs To Empower Women More

Die Modeindustrie muss Frauen mehr bestärken

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Als von einer Frau geführten Modemarke, ist der Weltfrauentag für unser Team von l’amour est bleu ein wichtiger Feiertag. Am internationalen Frauentag (IWD) am 8. März  gedenken wir den sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Errungenschaften von Frauen. Obwohl Frauen jeden Tag gefeiert werden sollten, sind wir dankbar dafür, dass ein Feiertag eingeführt wurde, an dem bewusst die Fortschritte anerkannt werden, die uns von Frauen beschert worden sind.

Female Empowerment ist gleichbedeutend damit, als Frau mehr Kontrolle über alle Aspekte ihres Lebens zu übernehmen und gleichzeitig ein gleichberechtigter Teil der Gesellschaft zu sein. Der Begriff wurde in den letzten Jahren häufig in politischen, pädagogischen, ökologischen und sozialen Zusammenhängen verwendet. Aber setzt die Modebranche Female Empowerment in ihren Reihen auch um oder wird der Begriff nur zu Marketingzwecken gepredigt?

Die aktuelle Situation von Frauen in der Modeindustrie

Nach Angaben der Weltbank machen Frauen weltweit rund 39% der Beschäftigten in der Modebranche aus, mit positiver Entwicklung in den letzten zwei Jahrzehnten. Obwohl die Gesamtzahl der Beschäftigten in der Modebranche nicht bekannt ist, sind im Textil-, Bekleidungs- und Schuh-Sektor weltweit schätzungsweise 60 bis 75 Millionen Menschen beschäftigt, von denen drei Viertel Frauen sind.

Für eine solch Frauen-dominierte Branche sieht sich die Modeindustrie mit ethischen Problemen konfrontiert und ist nicht in der Lage den Großteil der beschäftigten Frauen zu befähigen. Die geschlechtsspezifische Ungleichheit bleibt in der gesamten Branche ein Problem, von den höchsten Führungsebenen bis hin zu den Ladengeschäften und den Fabriken. Nur 12,5% der Bekleidungs- und Einzelhandelsunternehmen im Fortune 1000 sind von Frauen geführt. Selbst in der „High-End“ Modebranche wird die Mehrheit der Modehäuser immer noch von männlichen Designern geleitet. Der Mangel an weiblichen Führungskräften ist besorgniserregend, in Anbetracht dessen, dass Frauen größtenteils zu Beginn ihrer beruflichen Karriere in die Modebranche eintreten und demnach genug Erfahrung und Expertise mitbringen müssten.

In den Nachrichten wird regelmäßig von Frauen berichtet, die unterdrückt oder missbraucht werden. Die Beweise für die fortlaufende Unterdrückung von Frauen in der # MeToo-Bewegung zwischen 2017 und 2018 hat das furchtbare Verhalten von Männern in der Modebranche ans Licht gebracht. Viele weibliche Models haben das erste Mal offen über Missbrauch, Body-Shaming und Rassismus gesprochen.

Im produzierenden Gewerbe, das häufig in Entwicklungsländern angesiedelt ist, sind 80% der weltweiten Textilarbeiter Frauen. Viele dieser Textilarbeiterinnen sind gefährdet und stehen vor einer Reihe von Herausforderungen, die von niedrigen Löhnen und unsicheren Arbeitsbedingungen bis hin zu häuslicher Gewalt reichen. Eine Statistik ergab, dass rund 60% der Textilarbeiter in Bangladesch unter sexueller Belästigung leiden. Ein Bericht von Oxfam aus dem Jahr 2019 ergab, dass 0% der Textilarbeiter in Bangladesch und nur 1% der Textilarbeiter in Vietnam einen existenzsichernden Lohn verdienen. Weil sie nicht genug Geld verdienen, um sich und ihre Familien zu ernähren, beginnen ihre Töchter oft schon ab 10 Jahren in Fabriken zu arbeiten.

Why Fashion Industry Needs To Empower Women More
Photo via Pexels

Was kann die Modebranche tun, um Frauen zu bestärken?

Die Modebranche hat die Möglichkeit und gleichzeitig auch die Verantwortung, ihren Einfluss zu nutzen, um Frauen zu bestärken. Modemarken können den Konsumenten durch redaktionelle Inhalte, Markenbotschaften und sogar Models wichtige Botschaften vermitteln, indem sie sicherstellen, dass Frauen unabhängig von ihrer Größe, Hautfarbe oder ihrem Hintergrund angemessen vertreten, unterstützt und angenommen werden. Darüber hinaus sollten Modemarken den Kunden die Möglichkeit geben, ihre Bekleidung mit einem menschlichen Gesicht und dem damit verbundenen Handwerk zu verbinden, damit auch die Textilarbeiterinnen eine Stimme bekommen.

Mode sollte auch die internen Probleme von Ungerechtigkeit und Ungleichheit angehen, die in der Branche vorherrschen. Die Fashion-Community besteht aus talentierten, unabhängigen Frauen, aber in der gesamten Branche sind sie in den Führungspositionen unterrepräsentiert. Geschlechtergleichstellung und sexuelle Achtung sollten am Arbeitsplatz eine höhere Priorität haben.

Unternehmen können mit Chancengleichheit gegen Diskriminierung vorgehen. Frauen erhalten oftmals nicht die gleichen Möglichkeiten wie Männer. Führungsteams und der Vorstand sollten ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern aufweisen, was die Auswirkungen auf den Gewinn, die Fähigkeit zum Wachstum sowie die Aufrechterhaltung und Gewinnung von Talenten steigern würde. Ein Bericht von PWC ergab, dass unter den Bekleidungsunternehmen der Fortune 1000 von Frauen geführte Unternehmen fast doppelt so profitabel sind wie Unternehmen mit männlichen CEOs. Eine Steigerung der weiblichen Führungskräfte um 30%, könnte eine Rentabilitätssteigerung um 15% bewirken. Unternehmen mit Frauen im oberen Management haben erwiesenermaßen eine bessere „Innovationsintensität“ und produzieren durchschnittlich 20% mehr Patente als Teams mit männlichen Führungskräften.

Bildung ist eine weitere Möglichkeit, junge Frauen zu stärken. Laut UNICEF könnten Investitionen, die Mädchen dabei unterstützen die nächsthöhere Bildungsstufe zu erreichen, zu einem lebenslangen Einkommen von bis zu 68% des jährlichen BIP führen. Die Modebranche sollte in Ländern mit eingeschränkten Bildungsmöglichkeiten für Frauen, den Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung fördern. Die Einrichtung finanzieller Fördermittel könnte Mädchen dabei unterstützen die Schule zu besuchen, um ihnen mehr Zukunftsperspektiven zu ermöglichen.

Why The Fashion Industry Needs To Empower Women More

Wie Konsumenten etwas bewirken können

Es gibt viele Dinge, die du tun kannst, um den Weltfrauentag zu zelebrieren. Unterstütze eine feministische Autorin oder verschenke Blumen an Frauen, die dir was bedeuten. Wenn du einen Unterschied in der Modebranche machen möchtest, kannst du beispielsweise Modemarken mit weiblichen Gründern oder von Frauen geführte Modeunternehmen unterstützen. Du könntest auch Marken unterstützen, die ihren Mitarbeiterinnen faire Löhne und Arbeitsbedingungen sicherstellen.

Wir können das Thema auch in den sozialen Medien diskutieren. Die Stärkung der Frauenrolle und die Geschlechtergleichstellung sind ein komplexes und vielschichtiges Thema, das noch viel Zeit brauchen wird, um in der Gesellschaft vollends anzukommen. Wir können dieses Thema aber z.B. mit Posts über Frauen in der Unternehmensführung, sexuelle Belästigung oder die Unterstützung schutzbedürftiger Frauen in der Textilindustrie vorantreiben. Mithilfe der sozialen Medien können wir diese Themen an Unternehmen, leitende Angestellte, Redakteure, Stylisten, Fotografen, etc. kommunizieren und sie zur Rechenschaft ziehen.

Als Verbraucher sind wir ein entscheidender Teil der Modebranche. Wir sind diejenigen, die ihr Handeln beeinflussen. Daher ist es ist wichtig, sich mit Themen wie Geschlechtergleichstellung auseinanderzusetzen und unser Geld für Unternehmen einzusetzen, die sich für die Bestärkung von Frauen einsetzen. Unsere Kaufentscheidungen wirken sich auf das Leben von Millionen von Frauen aus, von der Stoffweberin bis hin zur Geschäftsführerin. Durch einen bewussteren Konsum und die Unterstützung von Frauen, die die Modebranche vorantreiben, kannst du insbesondere zur heutigen Zeit einen großen Unterschied machen. Diese Frauen arbeiten daran, eine verantwortungsbewusste, nachhaltige und vielfältige Modebranche zu schaffen. Und unglaubliche Dinge können passieren, wenn Frauen sich gegenseitig unterstützen.

Unsere Kaufentscheidungen wirken sich auf das Leben von Millionen von Frauen aus, von der Stoffweberin bis hin zur Geschäftsführerin. Durch einen bewussteren Konsum und die Unterstützung von Frauen, die die Modebranche vorantreiben, kannst du insbesondere zur heutigen Zeit einen großen Unterschied machen.

Diese Frauen arbeiten daran, eine verantwortungsbewusste, nachhaltige und vielfältige Modebranche zu schaffen. Und unglaubliche Dinge können passieren, wenn Frauen sich gegenseitig unterstützen.

Wie wir Frauen bestärken

l'amour est bleu Gründerin Thien Huynh

Ein von Frauenhand gegründetes und geführtes Unternehmen

 

l’amour est bleu wurde von mir – Thien Huynh – vor über drei Jahren gegründet. Mittlerweile haben wir uns zu einem dreiköpfigen Frauenpower-Team entwickelt. Hier kannst du mehr über das Team erfahren.

GOTS

GOTS-zertifizierte Materialien

 

Über 95% unserer Materialien sind GOTS-zertifiziert. Der Global Organic Textile Standard definiert auf hohem Niveau umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette und fordert gleichzeitig die Einhaltung von Sozialkriterien. Erfahre hier mehr über unsere Stoffe.

l'amour est bleu Team Annika Oestreich

Lokal von Frauen produziert

 

Unsere Schneiderinnen sind ein wichtiger Teil von l’amour est bleu. Dank ihrer Fähigkeiten entstehen die Kleidungsstücke, die dich über mehrere Jahre begleiten. Jedes Teil wird unter fairen Arbeitsbedingungen in Berlin genäht. Erfahre hier mehr über unsere Produktion.

Mode, die Frauen empowert

 

Wir machen Mode, in denen sich Frauen bedingungslos wohlfühlen. Vielseitigkeit, komfortable Schnitte und atmungsaktive Stoffe geben Frauen die Möglichkeit, sich auf die wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren.

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SHOP
The environmental impacts of online shopping

Wie wirkt sich Online-Shopping auf unsere Umwelt aus?


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Seit der Pandemie kaufst du wahrscheinlich mehr online ein. Seit des ersten Lockdowns haben wir gezwungenermaßen mehr online bestellt und genießen mittlerweile den Komfort des Online Shoppings, als in ein Geschäft zu gehen. Aber zwischen Plastikverpackungen, CO2- Emissionen und Retouren, die direkt auf die Mülldeponie gehen, gibt es zusätzlich versteckte Umweltauswirkungen des Online-Shoppings. Die Pandemie hat die Art und Weise wie Menschen einkaufen, grundlegend verändert: Millionen von Menschen kaufen alles online ein, von Lebensmitteln bis zu Schuhen.

Der digitale Umsatz stieg im zweiten Quartal 2020 um 71 % und im dritten Quartal um 55 %. Über 65 % der europäischen und amerikanischen Verbraucher gaben an, dass sie in der Corona-Krise weniger für Kleidung ausgeben werden, dafür ihre Bekleidungskäufe aber mehr über Online und soziale Kanäle tätigen werden. Während des Lockdowns hat sich das Online-Shopping als positive Freizeitaktivität etabliert, das den Leuten dabei hilft, ein Stück der alten Realität beizubehalten. 

Aber welche Auswirkungen hat der neu entdeckte Online-Shopping-Wahn auf die Umwelt? Könnte unser neues Konsumverhalten schädlich für den Planeten sein?




Die Auswirkungen des Versands

Ein Teil der Lieferkette im Einzelhandel wird als “Lieferung auf der letzten Meile” bezeichnet: Die Entfernung zwischen einem Ladengeschäft und dem Kunden oder beim Online-Shopping die Entfernung zwischen dem Distributionszentrum und dem Kunden. Es wird erwartet, dass die Nachfrage nach “Lieferungen auf der letzten Meile”, einschließlich “Click & Collect” und reinen Online Shop-Lieferungen, bis 2030 um 78 % wachsen wird. Dies könnte zu 36 % mehr Lieferfahrzeugen in 100 Städten auf der ganzen Welt führen, was mehr CO2-Emissionen, Verschmutzung und Staus bedeuten würde.

Wenn du früher mit dem Auto zum Laden gefahren bist, ist der Online-Einkauf die umweltfreundlichere Wahl. Die Hauptursache dafür sind die CO2-Emissionen, die durch die Autofahrt zum Geschäft entstehen. Auch die Energie, die für den Betrieb eines Einzelhandelsgeschäfts verbraucht wird, wirkt sich negativ auf die Nachhaltigkeitsbilanz beim Einkaufen im Geschäft aus. Allerdings bestellt ein Großteil der Menschen beim Online-Shopping nur einen Artikel pro Bestellung, während sie sich beim Besuch eines Geschäfts mit mehreren Artikeln eindecken. Der kleinste CO2-Fußabdruck entsteht  tatsächlich, wenn du direkt im Geschäft bestellst.





The environmental impact of online shopping


Foto: https://www.unsplash.com






Schnelle Lieferung: Komfortabel, aber schlecht für die Umwelt  

Früher waren wir bereit ein paar Tage auf unsere Bestellung zu warten, dies hat sich allerdings über die letzten Jahre deutlich verändert. Eine schnelle Lieferung bedeutet oftmals, dass mehrere Einzelbestellungen transportiert werden müssen und dafür mehr Fahrzeuge unterwegs sind, um die einzelnen Bestellungen auszuliefern.

Internationale Express-Versandoptionen könnten zu einer Erhöhung der CO2-Emissionen führen, da  Luftfracht etwa dreimal mehr Emissionen verursacht als der See- oder Landweg. Die schnelle Lieferung auf der letzten Meile wächst jährlich um 36 %. Amazon zum Beispiel liefert bereits an 72 % aller Kunden innerhalb von 24 Stunden.




Die schädlichen Umweltauswirkungen von Retouren

Ein wichtiger Faktor, der berücksichtigt werden muss, sind die Umweltauswirkungen von Retouren. Laut einer Studie des Unternehmens GreenStory werden nur 6 – 8 % der Kleidungsstücke zurückgegeben, wenn sie im Geschäft gekauft wurden. Die Retourenquote im Online-Handel beträgt im Vergleich dazu 30 %. In Deutschland wird jede dritte Online-Bestellung zurückgegeben. Besonders schockierend ist, dass 20 % der Retouren auf der Mülldeponie landen, weil sie nicht weiterverkauft werden können. Hinzu kommt, dass viele Kunden, vor allem Kleidung online kaufen, um letztendlich den Großteil ihrer Bestellung wieder zurückzusenden. Das Hin- und Herschicken der Bestellungen führt zu mehr CO2-Emissionen und Kosten.




In Deutschland wird jede dritte Online-Bestellung zurückgegeben. Besonders schockierend ist, dass 20 % der Retouren auf der Mülldeponie landen, weil sie nicht weiterverkauft werden können.




Das wahre Ausmaß an Verpackungsmüll

Generell führt der Online-Handel dazu, dass mehr CO2-Emissionen und Abfall pro Artikel entstehen. Online-Käufe verursachen mehr Verpackungsmüll und Bestellungen mit mehreren Einzelartikeln haben oftmals Mehrfachlieferungen zur Folge, die wiederum mehr Verpackungsmüll bedeuten. Da die Online-Bestellungen zunehmen, nimmt gleichzeitig weltweit die Menge an Verpackungsmüll zu. In den USA macht der Verpackungsmüll des Online-Handels mittlerweile fast ein Drittel des gesamten Müllaufkommens aus!

Der Großteil der Verpackungen landet letztendlich auf der Mülldeponie oder wird verbrannt. Nach Angaben des Unternehmens Canopy werden jedes Jahr etwa 3 Milliarden Bäume gefällt, um 241 Millionen Tonnen Versandkartons, Pappmailer, Verpackungspapier und andere Papierverpackungen herzustellen.

Die meisten Folien und Luftpolstertaschen sind nicht recyclefähig. Zudem besteht bei Luftpolstertaschen das Problem, dass sie zum Ausfall der Recyclingmaschinen führen und dabei wertvolle Zeit und Geld in Anspruch nehmen, die für das Recyceln von Kunststoffen verwendet werden können.




Was können wir tun, um nachhaltiger online zu shoppen?

Online-Shopping ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken und wird in Hinblick auf die aktuelle Corona-Krise sogar zur Notwendigkeit. Doch wie können wir die Vorteile des Online-Shoppings mit einem guten Gewissen genießen?

Eine Möglichkeit zur Reduzierung von CO2-Emissionen wäre, sich seine Bestellung zu einer Packstation liefern zu lassen, so dass die Fahrer viele Bestellungen an einem Ort abliefern können und nicht viel hin und her fahren müssen. Auch das Einkaufen von lokalen Produkten oder in lokalen Geschäften bzw. bei lokalen Online-Händlern reduziert CO2-Emissionen, weil die Waren nicht über weite Transportwege geliefert werden.

In Hinblick auf den Verpackungsmüll wäre die Verwendung von recycelten Materialien die nachhaltigste Lösung. Recycelte Materialien schützen die Wälder vor der Abholzung und verbrauchen zusätzlich weniger Wasser und Energie bei der Herstellung. Auch innovative Materialien wie z. B. Biokunststoff, der aus landwirtschaftlichen Reststoffen hergestellt wird, wäre eine nachhaltige Verpackungsalternative. Im Vergleich zu herkömmlichen Plastik dauert es maximal 2 Jahre, bis er vollständig abgebaut ist und er hinterlässt keine Restspuren im Boden.

Es liegt größtenteils bei den Online-Händlern ihre negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren. Doch gleichzeitig liegt es auch an uns mehr Verantwortung zu zeigen, indem wir unsere Einstellung und Erwartungen beim Online-shoppen  zugunsten der Umwelt ändern. Kostenloser Versand ist mittlerweile zur Norm geworden und wird von den meisten Online-Shoppern erwartet. Gesellschaftlich gesehen sind aber die Kosten für den Versand von Online-Bestellungen ziemlich hoch. Allein die Auswahl der Abholoption anstelle einer Lieferung führt zu einer deutlichen Senkung des CO2-Abdrucks. Durch die Bevorzugung von Online-Shops, die eine klimaneutrale Lieferung oder nachhaltige Verpackungen anbieten, unterstützt du Unternehmen, die ihre negativen Auswirkungen auf die Umwelt reduzieren. Auch die Reduzierung von Rücksendungen ist eine Möglichkeit die negativen Umweltauswirkungen des Online-Shoppings zu verringern. Letztendlich ist es am nachhaltigsten, wenn wir beim Shoppen nur Dinge zu kaufen, die wir wirklich brauchen.




Unser Beitrag für die Umwelt




l'amour est bleu nachhalitge Versandverpackung

Nachhaltige Versandverpackung

 

Unsere Versandverpackung besteht zu 100% aus recyceltem Papier und ist mit Öko-Farben bedruckt. Alle Materialien können wieder komplett recycelt werden.




l'amour est bleu nachhaltiger Versand

Nachhaltiger Versand

 

Wir versenden klimaneutral per DHL. Bei Mehrfach-Bestellungen werden alle Artikel in einem Paket verschickt.






l'amour est bleu lokale Produktion

Lokale Produktion

 

Wir entwerfen, entwickeln und produzieren alle Kleidungsstücke in Deutschland. Dies spart weite Transportwege und unterstützt die lokale Textilindustrie.




l'amour est bleu made to order

Made to order

 

98% unserer Kleidungsstücke werden Made to order produziert. Dadurch sparen wir natürliche Ressourcen und vermeiden Überproduktion. 




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SHOP


l'amour est bleu Fair Fashion Pop-up

Wie eröffne ich einen Pop-up-Store?


„Das habe ich vorher noch nie versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe“, ein Zitat von Pippi Langstrumpf, dass mir in letzter Zeit öfters über dem Weg gelaufen ist. Ganz nach diesem Motto spielte ich Mitte Dezember in meinem Kopf mit der Idee einen Pop-up-Store zu eröffnen. Diese Idee beschäftigte mich bereits seit zwei Jahren, doch nach der Geburt meines Sohnes Ende 2018 hatte ich vorerst mit anderen Themen zu tun, wenn du weißt was ich meine! Doch als sich das Jahr 2019 dem Ende zuneigte, juckte es förmlich in meinen Fingern und ich rief meine Schwester Mai an, um sie zu fragen: „Was hältst du davon mit mir zusammen einen Pop-up-Store zur Berlin Fashion Week im Januar zu eröffnen?“




Finde eine Location

Für mich war klar, dass ich neben nachhaltiger Mode noch etwas Anderes brauchte, um die Kunden in den Shop zu ziehen. Da kam mir sofort die Idee einer Natural Beauty Lounge – ein Bereich im Shop, wo sich Kunden, Promis etc. für die Fashion Week schminken und beraten lassen konnten, gepaart mit hilfreichen Tutorials. Als Mai zusagte und dieser Punkt gesichert war, galt es eine passende Location zu finden. Schließlich waren es nur noch vier Wochen bis zur Fashion Week im Januar! Die Location sollte möglichst im Geschehen der Berliner Fashion Week mit viel Laufkundschaft sein. Leichter gesagt als gefunden, doch da landete ein Newsletter von The Lovers in meinem Postfach, in dem es um die Einweihung des neuen The Lovers & Leaders Space in der Torstraße ging. Ich folgte dem Wink des Schicksals und schrieb Yasmine, Gründerin der Lovers Community, an. Dann ging alles ganz schnell und die Location war einige Tage vor Heiligabend gesichert. Nun gab es für mich kein Zurück mehr.





The Lovers and leaders space


Foto: https://www.theloversandleaders.org






Stelle das Sortiment zusammen  

Einen kleinen Haken hatte die Location allerdings: Die Miete war viel höher als vermutet. Im Vergleich zu anderen Locations, die wir angefragt haben, allerdings akzeptabel. Für mich war die oberste Priorität die Miete zu decken, damit für mich im Nachhinein nicht zu hohe Kosten entstehen. Zum Glück habe ich ein großes Netzwerk an nachhaltigen Designern und schlug Ihnen vor, ihre Mode im Pop-up-Store mit anzubieten. Meine Freundin Alexa von Alexas Alphabet konnte ich schnell begeistern, von den restlichen Designern hagelte es leider nur Absagen oder es kam keine Antwort. Na gut, es war drei Tage vor Heiligabend und ich konnte gut verstehen, warum andere nicht ganz so euphorisch waren wie ich. Dann fing ich an mein entfernteres Netzwerk anzuschreiben: Nachhaltige Designer, dich ich flüchtig kannte oder welche, die mir auf Instagram folgten. Ganz nach dem Motto: „Wer meine Insta-Posts und Stories liked, der hat vielleicht auch Lust in meinen Pop-up-Store zu kommen“. Ich konnte kaum fassen, wie positiv die Rückmeldungen waren! Keine der Designerinnen scheute sich über Weihnachten mein Angebot durchzulesen und Zahlen zu wälzen. Letztendlich sagten mir acht Mode- und Accessoires-Marken zu und Mai organisierte die Neunte. Zusammen mit l’amour est bleu waren wir zehn Fair Fashion Brands mit sehr unterschiedlichen Produkten und Stilrichtungen – von Damenmode, Kindermode bis hin zu Schmuck und Accessoires war alles dabei. Das Sortiment sah klasse aus und die Preisgestaltung war perfekt!





l'amour est bleu Fair Fashion Pop-up




Ohne Bürokratie funktioniert gar nichts

Es folgte mein unbeliebtester Teil der ganzen Organisation: In einer Nacht-und-Nebel-Aktion erstellte ich die Verträge für alle Modemarken. Zusätzlich verfasste ich eine Anweisung für alle Designer, damit sie wussten, was ich von ihnen alles brauchte und wo sie ihre Produkte hinschicken sollten. Der Online-Flyer und das Event-Programm wurden erstellt, damit die Designer den Pop-up-Store auch in ihren Social Media-Kanälen bewerben konnten. Es waren nur noch zwei Wochen bis zur Eröffnung des Pop-up-Stores und nur über eine gebündelte Reichweite konnten wir genug Besucher für den Shop akquirieren. Ich verschickte Einladungen an Blogger, Influencer und Redakteure aus der Fair Fashion Branche, während Mai das gleiche für die Beauty-Branche machte. Zu guter Letzt mussten noch Möbel organisiert werden. Vor Ort gab es schon viele Möbel, die wir nutzen konnten, doch es fehlten elementare Dinge wie eine Umkleidekabine oder ein Kassentisch samt Kasse. Diese zwei Dinge haben mich fast in den Wahnsinn getrieben, bis letztendlich der Pragmatismus siegte: Wir kauften einen Paravent und eine Geldkassette. Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht? Die letzte Woche vor der Eröffnung war von langen Nachtschichten gezeichnet, doch das Adrenalin kompensierte alles.




Am Freitag vor der Eröffnung wachte ich mit Lampenfieber auf. In meinem Kopf breitete sich der hysterische Gedanke aus: „Scheiße, was habe ich mir dabei gedacht?! Ich kann das nicht!“




Begegne Herausforderungen mit Vertrauen und Pragmatismus

Ganz so reibungslos wie auf meiner Seite lief es mit dem Beauty-Bereich leider nicht. Die potenziellen Naturkosmetik-Marken haben sich bereits zwei Wochen vor Weihnachten in den Weihnachtsurlaub verabschiedet und waren erst in der zweiten Januarwoche wieder erreichbar. Zum Schluss haben wir dank Mais und Ellis Einsatz mit Davines, Hiro und Viliv großartige Naturkosmetik-Marken als Partner gewinnen können. Nach und nach wurden die Produkte der Designer und der Kosmetikfirmen samt Mobiliar angeliefert und mein Keller füllte sich bis zum Rande. Mein DPD-Bote des Vertrauens rief mich einige Tage vor der Eröffnung des Pop-up-Stores an und sagte: „Thien, ich habe hier ein Drittel meines Lieferwagens mit Paketen für dich voll, was ist los?“ Als ich ihm euphorisch mitteilte, dass ich einen Pop-up-Store eröffnen werde, bekam ich als typische Berliner Antwort: „Das ist ja schön für dich!“. Beim Anblick der ganzen Kartons und Möbel graute es mir vor dem Aufbau. Am Freitag vor der Eröffnung wachte ich mit Lampenfieber auf. In meinem Kopf breitete sich der hysterische Gedanke aus: „Scheiße, was habe ich mir dabei gedacht?! Ich kann das nicht!“ Als ich meinem Mann am Frühstückstisch panisch meine Gedanken mitteilte, bekam ich als unterstützende Antwort: „Du weißt schon, dass es jetzt kein Zurück mehr gibt, oder?“




Richte den Laden ein

Da hatte mein Mann schon Recht. Zum Glück war meine To Do-Liste so lang, dass sie dreimal um die Welt reichte und ich dadurch keine Zeit hatte, mich mit meiner Angst zu beschäftigen. Durch das ständige Arbeiten kam ich in einen regelrechten Flow, der mich durch den ganzen Stress sicher hindurchführte. Ich hatte zwar To Do-Listen, aber mir fiel aus irgendeinem Grund alles leicht von der Hand, so als ob ich schon routiniert im Eröffnen von Pop-up-Stores war. Ich hatte einfach ein ganz tiefes Vertrauen, dass alles klappen wird oder so kommen wird, wie es sein soll. Ein Tag vor der Eröffnung fuhren wir mit drei Autos vor und luden den Inhalt unseres halben Kellers im Laden ab. Wir hatten laut Vertrag vier Stunden Zeit einen vollkommen leeren Laden einzurichten. Es standen zum Glück schon zwei Tische und Kleiderstangen im Laden, aber von einem eingerichteten Ladengeschäft waren wir noch meilenweit entfernt. Wie Turbo-Heinzelmännchen gingen Mai, ihre Partnerin Elli, mein Mann und ich ans Werk und bauten den Shop auf. Tanja von Colour Stories und Korinna von Kokobasket kamen noch vorbei und packten mit an. Zu unserem Glück bekamen wir von Yasmine das ok, solange im Laden aufzubauen, bis wir fertig waren. Nach dem Aufbau folgte das Einrichten, für mich die Seele eines Shops. Gemeinsam dekorierten wir die Tische und gestalteten den Laden so wie ich es mir mehrere Male vor meinem inneren Auge ausgemalt hatte. Nach insgesamt sieben Stunden standen Mai, Elli und ich in einem fertig eingerichteten Pop-up-Store und ich konnte das Wunder nicht fassen!







l'amour est bleu Fair Fashion Pop-up



l'amour est bleu Fair Fashion Pop-up



l'amour est bleu Fair Fashion Pop-up




Auf dem Foto rechts siehst du den tollen Foodtruck von Feel Good Foods. Eva hat uns mit ihren leckeren und gesunden Snacks von lokalen Herstellern verköstigt – einer der Highlights des Fair Fashion Pop-up-Stores. 




Lohnt sich ein Pop-up-Store?

Zur Eröffnung waren wir noch nicht ansatzweise perfekt aufgestellt. An den Kleidungsstücken fehlten Preisschilder, die Bügel waren noch nicht geliefert, die Artikel waren nicht alle im Kassensystem errichtet, es waren noch nicht alle Events online gestellt…das waren aber alles Punkte, die wir im Laufe des Betriebs nach und nach abarbeiteten. Von Tag eins an hatten wir durchgängig so viel Besuch, dass Mai, Elli und ich kaum Zeit hatten Pausen zu machen oder uns hinzusetzen. Es gab auch ruhige Phasen, doch in der Zeit wurde organisiert, gepostet oder Events wurden vorbereitet…es war eine volle, aufreibende Woche.

Ob sich der Shop gelohnt hat? Wenn wir von den klassischen Kennzahlen ausgehen, sind wir mit einem Plus Minus null rausgegangen. Unter der Berücksichtigung, dass wir für die Eröffnung des ersten Pop-up-Stores initial in Mobiliar, Dekoration, etc. investiert haben, ist es für mich ein zufriedenstellendes Ergebnis. Kostenoptimierung, Kundengewinnung und Umsatzsteigerung sind alles Kennzahlen, die wir mit den entsprechenden Maßnahmen optimieren können. Doch es hat sich ein Mehrwert ergeben, mit dem keiner von uns vorher gerechnet hatte: Unsere Vision war es, mit dem Fair Fashion Pop-up den Menschen zu zeigen, wie großartig ein nachhaltiger Lifestyle sein kann und dass es nichts mit Einschränkungen und Kompromissen zu tun hat. Als motiviertes Team haben wir diese Message erfolgreich an die Kunden im Shop und die Follower in den sozialen Medien übermittelt. Das Feedback war durchweg positiv und wir haben in nur einer Woche so viele wunderbare Menschen kennengelernt und neue Bekanntschaften hinzugewonnen. Alle Brands haben in der kurzen Zeit viel hilfreiches Feedback bekommen, ihr Netzwerk erweitert und an Sichtbarkeit gewonnen. Der Großteil der Designer – alles Einzelunternehmerinnen- ist zu einer Community zusammengewachsen, die sich gegenseitig unterstützt und motiviert. Fast alle Designer führen rein online ihre Mission „Nachhaltigkeit in die Welt zu bringen“. Doch als Online-Marke musst du auch offline gehen. Wir leben heutzutage in einer online-dominierten Welt und unterschätzen, wie wichtig der echte zwischenmenschliche Kontakt ist. Die Pop-up-Woche hat für die Marken und das Thema Nachhaltigkeit mehr Sichtbarkeit offline und online verschafft. Es ist ein Dialog, der auf beiden Kanälen geführt werden muss – er wird jetzt online fortgeführt, um bald wieder im nächsten Pop-up offline geführt zu werden…und auf diese Weise ergibt sich ein Kreislauf, der hoffentlich immer mehr Menschen zu einem nachhaltigen Lifestyle inspiriert.

*Wichtiger Nachtrag: Ohne mein großartiges Team hätte ich das ganze nie geschafft. Ich hatte das unglaubliche Glück mit Mai und Elli zwei Frauen an meiner Seite zu haben, die genauso motiviert an die Sache rangegangen sind ich. Mit Sabina als Stylistin und Eva mit ihrem Foodtruck waren wir ein unschlagbares Team! Auch Korinna, Tanja und Alexa haben als Designerinnen viel Support vor Ort geleistet. Vielen lieben Dank euch allen für diese tolle Zusammenarbeit!





l'amour est bleu Fair Fashion Pop-up




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Alexas Alphabet nachhaltige Kinder und Damenmode

Lieblingsmarke: Alexas Alphabet


Alexas Alphabet – handmade key pieces


Alexas Alphabet ist das nachhaltige Damen- und Kindermodelabel meiner Freundin Alexa. Uns verbindet eine lange Freundschaft – kennengelernt haben wir uns im Job und unsere gemeinsame Leidenschaft für Mode hat uns zusammengeführt und macht bis heute unsere Freundschaft aus. Alexa hat ein Händchen für Farben und Muster und das wirst du auch an ihren Designs sehen. Für mich sind ihre Kleider und Kinderröcke ein absolutes Must Have, weil sie aus nachhaltigen Stoffen bestehen, in Deutschland gefertigt werden und gute Laune machen! Deshalb habe ich Alexa gebeten, auf meinem Blog mehr über ihre Mode zu erzählen.







Alexas Alphabet nachhaltige und faire Mode


Warum noch eine weitere Modemarke? …weil die Zeit dafür reif ist!

Während meiner jahrelangen Arbeit im Fast Fashion Business habe ich viele Einblicke in die konventionelle Mode-Branche gewonnen: Das Geschäftsmodell verlangt immer schnelleren Konsum und damit immer günstigere Produkte. Die Produktqualität und Verarbeitung werden immer schlechter, Produktionsprozesse in immer neue, noch weiter entfernte Entwicklungsländer verlagert. Dies geht zu Lasten der Umwelt und der Menschen – insbesondere der Näherinnen in den zumeist asiatischen Ländern. Die Wertschätzung und das einzelne Produkt für ein Kleidungsstück tritt bei uns immer mehr in den Hintergrund. Wenn ich überlege, durch wie viele Hände ein Kleidungsstück geht, wie viele Leute daran arbeiten, vom Weben, Zuschnitt, Nähen, Färben, Aufbereitung, Einpacken und Verschiffen, macht mich der schnelle Konsum und die Kurzlebigkeit vieler Artikel richtig betroffen.





Alexas Alphabet nachhaltige und faire Mode




Mode inspiriert vom bunten Alltag mit Kindern 

So kam ich zu Alexas Alphabet beziehungsweise, die Idee zu Alexas Alphabet kam mir in meiner Elternzeit: Nachhaltige Mode, elegant, aber unkompliziert, geeignet für den Alltag moderner Frauen, also im Büro ebenso wie auf dem Spielplatz.

Inspiriert werde ich vom bunten Alltag mit Kindern, dem Zauber anderer Kulturen und der Schönheit dekorativer Drucke. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich zwei Töchter habe, dass ich noch Kinderröcke mit in die Kollektion genommen habe.

Für meine Kollektionen setze ich auf natürliche Materialien und faire Produktion: Es werden ausschließlich ökologische – nach Möglichkeit sogar mit dem umfassenden GOTS-Siegel zertifizierte – Stoffe in kleinen Stückzahlen in deutschen Schneiderwerkstätten verarbeitet. Die meisten meiner Lieferanten kenne ich persönlich. Ein respektvoller Umgang entlang der gesamten Produktionskette ist mir wichtig.




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Made to order

Slow Fashion auf Bestellung


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Glaubst du an Schicksal? Eine sehr spirituelle Frage, um einen Blogpost zu beginnen, ich weiß. Ich glaube an das Schicksal, weil sich viele Dinge in meinem Leben so gefügt haben, wie ich es mir gewünscht habe. Auf der anderen Seite sind auch viele Wünsche nicht in Erfüllung gegangen, doch da rede ich mir ein, dass es nicht so sein sollte!

Als l’amour est bleu noch eine Idee in meinem Kopf war, wollte ich ein nachhaltiges Modelabel gründen, das Mode auf Bestellung verkauft. Da ich schon immer nach der Devise „ganz oder gar nicht“ gelebt habe, war das für mich die nachhaltigste Art Mode zu machen. Meine Idee war es, Kollektionen zu entwerfen, eine Bestellphase einzurichten und anschließend nur so viel Stoff zu bestellen und Kleidungsstücke nähen zu lassen, wie auch bestellt worden sind. Doch diese nicht neu erfundene Art Mode zu machen war für andere äußerst revolutionär, wenn nicht sogar utopisch.




Keiner ist bereit zwei Wochen auf Mode zu warten

Jeder hat mir von Made to order abgeraten, angefangen bei Freunden bis hin zu Business-Beratern. „Kein Kunde sei bereit zwei Wochen auf Mode zu warten“ oder „dieses Geschäftsmodell sei nicht skalierbar“, durfte ich mir anhören. Trotzdem blieb ich meiner Vision treu, doch die größte Hürde war die Modeindustrie selbst. Sie war nicht für diese Art der Lieferkette gemacht. Die nachhaltige Modeindustrie war damals (vor zwei Jahren!) noch viel kleiner, als sie heute ist und in diesem Bereich eine neue Lieferkette einführen zu wollen, war unmöglich. Na gut, es hätte mit viel Geld und Zeit funktioniert, was ich beides nicht hatte. Die konventionelle Modeindustrie funktioniert nämlich so: Lange Vorlaufzeiten, hohe Mengen, hohes Investment, großes Risiko. Wir arbeiten an einer Sommerkollektion mit einem Vorlauf von einem Jahr und sollen da entscheiden, welche Stoffe und Styles im nächsten Jahr zu einer Kollektion zusammengestellt werden sollen. Anschließend wird noch geschätzt, wie viele Teile in welchen Größen hergestellt werden sollen und fertig ist die Kollektion. Dann heißt es Augen zu und Daumen drücken. Dieses System funktioniert so gut, dass Unternehmen wie H&M oder Burberry jedes Jahr Millionen von Kleidung verbrennen. Ich investierte viel Zeit darin, Stofflieferanten und Produzenten mein Konzept zu erklären und obwohl sie den nachhaltigen Ansatz befürworteten, wollten oder konnten sich nicht auf Made to order einlassen.





fashion industry




Man muss sich der mächtigen Modeindustrie fügen  

Letztendlich habe ich klein beigegeben und meine erste Kollektion ganz konventionell vorproduzieren lassen – vier Styles mit jeweils 50 Stück pro Style, aufgeteilt in die Größen S, M und L. Der Bank, die meine Idee finanziert hat, gefiel diese Methode auch besser. Die zweite und dritte Kollektion habe ich genauso umgesetzt, nur mit geringeren Stückzahlen. Es trat das ein, was bei allen Modemarken eintritt: Ich blieb auf einigen Styles sitzen. Aus jahrelanger Erfahrung legte ich den Größenschwerpunkt von l’amour est bleu auf die Größe M und musste feststellen, dass meine Kundinnen hauptsächlich Größe S kaufen. Dann gibt es natürlich Styles die schlechter verkauft werden, als andere. Diese werden in der Modeindustrie liebevoll als „Penner“ bezeichnet. Das wurmte mich sehr, denn die nicht verkauften Kleidungsstücke waren gebundenes Geld, welches ich für als Investition für die nächsten Kollektionen brauchte. Was sollte ich nun tun? Die Reste im SALE unter Wert verkaufen? An Influencer verschenken? Ich tat nichts davon, sondern behielt einen langen Atem. Schließlich sind meine Designs zeitlos und saisonunabhängig, d.h. ich musste die Frühjahr-Sommer-Kollektion nicht in einer Saison abverkaufen. So füllt sich die Kasse zwar langsamer, aber ich entwerte nicht meine Mode und die Arbeit, die dahintersteckt.




Das Schicksal führte mich zu Made to order

Trotzdem wurmte mich die Vorstellung, für jede Kollektion ein hohes Investment zu tätigen und blind Bekleidung anfertigen zu lassen, auf der ich lange Sitze. Im letzten Jahr kam es schließlich dazu, dass die finanziellen Mittel nicht mehr reichten, um die nächste Kollektion vorzufinanzieren. Als die Bank dann noch einen weiteren Kredit ablehnte, bekam ich es mit der Panik zu tun. War es jetzt das Ende? Ich kann doch nicht einfach eine Kollektion auslassen? Und da schoss mir meine alte Vision wieder in den Kopf: Warum nicht Made to order ausprobieren? Theoretisch hatte ich noch genug Ware zum Abverkaufen, doch eine neue Kollektion sollte für frischen Wind sorgen. Was hatte ich schließlich zu verlieren? Im schlimmsten Fall hätte ich kein Teil der Made to order-Kollektion verkauft und hätte nur die Kosten für die Stoffe und meine Zeit investiert. Da mir diese Idee nämlich sehr kurzfristig einfiel, fehlte leider die Zeit die Muster von meiner Schnittmacherin und Produktion in Jahnsdorf anfertigen zu lassen.





l'amour est bleu made to order




Jetzt laufe ich mindestens einmal die Woche zu Karen, um meine fertig genähten Bestellungen abzuholen…ich glaube, besser konnte es nicht kommen. Obwohl doch, es kommt noch besser: Die Made to order-Kollektion ist aktuell die erfolgreichste Kollektion von l’amour est bleu!




Auch die höchste Hürde kann man meistern

Die Musterkollektion war die einfachere Herausforderung bei der Umsetzung von Made to order. Die viel größere Herausforderung war Schneider*innen zu finden, die für mich die Bestellungen nähen. Das Studio U&N konnte dieses Projekt nicht umsetzen, weil die Manufaktur nicht für solche flexiblen Aufträge ausgelegt ist. Letztendlich war es meine Bekannte Jovan von j.jackman, die mir unter die Arme griff. Sie las von meinem Made to order-Projekt auf Instagram und schlug mir vor, es mit ihrer Schneiderin zu probieren. j.jackman bietet moderne Businessmode an, die ebenfalls erst auf Bestellung in Berlin gefertigt wird. Dank Jovan näht nun Karen meine Bestellungen. Sie ist freiberufliche Schneiderin und hat ein eigenes Atelier, welches von mir zehn Minuten fußläufig erreichbar ist. Jetzt laufe ich mindestens einmal die Woche zu Karen, um meine fertig genähten Bestellungen abzuholen…ich glaube, besser konnte es nicht kommen. Obwohl doch, es kommt noch besser: Die Made to order-Kollektion ist aktuell die erfolgreichste Kollektion von l’amour est bleu! Das macht mich so unglaublich stolz, dass meine Vision in Erfüllung gegangen ist. Umso stolzer macht es mich, dass es so viele Frauen gibt, die bereit sind für ein Kleidungsstück zwei bis drei Wochen Wartezeit in Kauf zu nehmen. Das gibt mir Hoffnung, dass meine ganzen Bemühungen, die Modewelt nachhaltiger zu gestalten nicht vergebens ist. Um zu meiner Einstiegsfrage zurückzukommen. Ja, ich glaube an Schicksal und daran, dass deine Träume in Erfüllung gehen können. Und falls der ein oder andere Traum nicht wahr werden sollte, dann wartet auf dich etwas viel Besseres.



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l'amour est bleu Made in Germany

Woher kommt dein Kleid?


ENGLISH VERSION

„Woher kommst du?“ Eine Frage, die ich in meinem Leben unzählige Male gestellt bekommen habe. Wenn deine Herkunft nach außen hin so offensichtlich ist, dass Menschen dich danach fragen, dann lernst du irgendwann damit umzugehen. Das Witzige dabei ist, dass ich in Deutschland oder genauer gesagt in Hamburg geboren bin. Doch mit dieser Antwort gibt sich niemand zufrieden. Was uns bei Menschen so sehr zu interessieren scheint, interessiert die meisten Menschen bei Bekleidung in keiner Weise. Dabei ist die Herkunft eines Kleidungsstücks genauso vielfältig, wie die eines Menschen.




Deine Herkunft ist ein Teil von dir

Meine Eltern sind in Vietnam geboren, haben sich in Deutschland kennengelernt und haben mich in der schönen Hansestadt Hamburg zur Welt gebracht. Seit meiner Kindheit an war meine Herkunft ein zentrales Thema in meinem Leben. Angefangen bei meinem schwer auszusprechenden Namen bis hin zum Aussehen, die Menschen in meiner Umgebung hatten genug Anhaltspunkte, um mich ständig nach meiner Herkunft zu fragen. In meiner Jugend war die Außenwelt noch nicht so tolerant gegenüber fremden Kulturen, wie es heute der Fall ist. Die Vorurteile und Beschimpfungen gegenüber meinem Aussehen und meiner Kultur führten dazu, dass ich anfing meine Herkunft abzulehnen. Manchmal wünschte ich mir einfach nur dazuzugehören und nicht anders zu sein. Je älter ich wurde, desto mehr stellte ich fest, dass meine Herkunft ein fester Bestandteil von mir ist, den ich nicht leugnen kann. Ich fing an mir einzureden, dass es etwas Besonderes ist, anders zu sein als der Großteil der Menschen um mich herum. Das machte ich so lange, bis ich endlich erkannte, dass es stimmte.





l'amour est bleu Sweater




Woher kommt deine Bekleidung?

So offensichtlich meine Herkunft ist, so unersichtlich ist die Herkunft eines Kleidungsstücks. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen bei ihrer Bekleidung das gleiche Interesse für die Herkunft aufbringen, wie für ihre Mitmenschen. Doch der Mensch neigt dazu, sich mit der unbequemen Realität nicht auseinandersetzen zu wollen. Die Herkunft eines Bekleidungsstücks ist mindestens genauso vielfältig, wie die eines Menschen. Das Material, aus dem es besteht, wird im Fall von Bio-Baumwolle in Indien, in der Türkei oder Amerika angebaut. Dort wird das Material geerntet und zu Baumwollgarn verarbeitet. Der Stoff wird manchmal im gleichen Land, aber größtenteils in einem anderen Land hergestellt. Dort wird das Garn gefärbt und zu dem Stoff des Kleidungsstücks verarbeitet, das du später in der Hand hältst. Bis dahin ist das Kleidungsstück noch nicht geboren, denn meistens wird es erst in einem weiteren Land hergestellt. Dort wird der Stoff zugeschnitten und von Schneider*innen zu dem Kleidungsstück verarbeitet, das du letztendlich kaufst. Doch auch hier gibt es noch Unterschiede.




Diesem Gerücht habe ich es allerdings zu verdanken, dass einige Menschen skeptisch sind, wenn sie sehen, dass die Bio-Baumwolle vom Kleid Parisienne aus Indien kommt, der Stoff in Portugal gewebt und das Kleid in Deutschland genäht wurde. Der Anhänger von Klatschblätter-News denkt sich im ersten Moment: „Was willst du mir erzählen, dein Kleid wurde in Indien genäht!“




In Deutschland musst du an einem Produkt nicht das Herstellungsland angeben. Was allerdings gesetzlich geregelt ist, ist die Definition des Ursprungslandes. Das Land, in dem das Wesentliche eines Produkts hergestellt worden ist, entspricht dem Ursprungsland. Eigentlich sollte jedem klar sein, welche Bestandteile eines Kleidungsstücks wesentlich sind. Dennoch hält es Bekleidungshersteller nicht davon ab, den Großteil eines T-Shirts irgendwo in Asien produzieren und das Label in Deutschland annähen zu lassen, um es mit „Made in Germany“ zu kennzeichnen. Solche Gerüchte sind im Umlauf und ob es diese Vorfälle tatsächlich gegeben hat, konnte ich auf die Schnelle nicht recherchieren, weil mir das Internet hauptsächlich erzählt, dass VW mit dem Abgasskandal dem guten Ruf von „Made in Germany“ geschadet hat. Diesem Gerücht habe ich es allerdings zu verdanken, dass einige Menschen skeptisch sind, wenn sie sehen, dass die Bio-Baumwolle vom Kleid Parisienne aus Indien kommt, der Stoff in Portugal gewebt und das Kleid in Deutschland genäht wurde. Der Anhänger von Klatschblätter-News denkt sich im ersten Moment: „Was willst du mir erzählen, dein Kleid wurde in Indien genäht!“





Your story makes you special




Ich kenne die Herkunft meiner Mode

Mag sein, dass es Modemarken gibt, die solche Methoden praktizieren. Doch ich mache das nicht. Ich kenne von jedem Kleidungsstück in meiner Kollektion die Herkunft vom Material bis hin zum Herstellungsort. Ich weiß, dass alle Arbeitsschritte umweltschonend und fair erfolgt sind. Mit Stolz kann ich sagen, dass die Mode von l’amour est bleu komplett in Deutschland hergestellt wird. Ich kenne die Menschen in Jahnsdorf, die meine Kollektionen nähen (nicht jeden einzelnen, aber so einige) und ich kenne die Schneiderinnen, die meine Made-to-order Kollektionen in Berlin nähen. Diese Informationen teile ich ganz offen mit dir, weil ich in unserer Gesellschaft das Bewusstsein für die Herkunft unserer Bekleidung schaffen möchte. Mein Wunsch ist es, dass wir uns nicht nur fragen, woher die Person neben mir kommt, sondern woher das Kleid in meiner Hand herkommt und unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde.



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l'amour est bleu Who made my clothes

Who made my clothes – Why it is important to ask.


Fashion Revolution Week is back and consumers shall ask fashion brands: “Who made my clothes?” Who doesn’t know Fashion Revolution yet, it is a non-profit organization, which was founded after the collapse of the factory Rana Plaza in Bangladesh. This tragic accident killed 1,138 people and injured 2,500, making it one of the worst industrial disasters in history. What you should not forget is that this was not the only factory collapse in the textile industry. Since then, Fashion Revolution has been calling for Fashion Revolution Week on April 24th to commemorate the victims of Rana Plaza and to change the fashion industry.




Rana Plaza changed everything

I was also shocked from this tragic accident and I began questioning my shopping behaviour and the industry in which I worked. Until then, I loved fashion. I tried out new trends and waited longingly for every ZARA-Sale. I was eagerly awaiting every H&M Designer collaboration. When I was in London for the first time, I definitely had to go to Primark. I knew the latest It-bags and -shoes and dreamed of making enough money to afford them someday. I had so much clothes and so many more shoes and still wore the same things every day. Rana Plaza shook me, but I could not or did not want to change my shopping behaviour. It wasn’t until I visited the Fast Fashion exhibition that I felt uneasy about how we consumers had degraded fashion to a disposable product and the impact it had on the environment and people. I will never forget how I left the exhibition and felt really sad. Sad about the negative facets of the industry in which I worked with passion. I could not identify myself with the values of my old employer anymore. I had great colleagues and worked under good working conditions. But I could no longer share the mentality of “selling more for lower prices”.




I realized that it had to be sustainable fashion. This was the only way for me to continue to work in this industry.




When we moved to Berlin I got the chance to change my job. It was not clear from the beginning that I would devote myself to sustainable fashion. But when I used my free time to reflect on the last years of my professional life, I realized that it had to be sustainable fashion. This was the only way for me to continue to work in this industry. This decision felt and still feels right. Finally, I had the feeling that I could actively change the fashion industry. I already told you about the difficulties of designing modern, sustainable fashion in previous blog posts. The minimum quantity problem and the small selection of beautiful sustainable fabrics caused me headaches. How should I make sustainable fashion when the industry urges me to buy the highest possible quantities of fabric and produce the highest possible quantities? As I generally tend to choose the most difficult way, I set myself the goal to implement a local production in Germany.





l'amour est bleu stock photo




Does it really have to be “Made in Germany?”

“Why do you manufacture in Germany? Isn’t that expensive? You have many contacts abroad”. Yeah, it’s expensive. And yes, I have many contacts abroad, where it would only cost me a third or even less – and the sampling costs of about 300 € per style would be dropped. When I founded l’amour est bleu, I set myself the goal of establishing a 100% sustainable supply chain. This goal quickly became wishful thinking. According to fabrics, certifications enabled me to ensure that the supply chain from fibre to finished fabric was environmentally friendly and socially fair. But according production I had to give up: Fairtrade- or GOTS-certified production facilities laughed at me when I wanted to order 50 pieces per style. I could have chosen one of the suppliers from my old jobs. But I knew that a producer abroad was inevitably connected with many trips to control working conditions. I could not sell sustainable fashion with a clear conscience if I could not be 100% sure that my supplier really produced under fair conditions. Or does not pass the order to subcontractors.




The factory was actually a home in which high clothing towers were gathered. Between them were one or two sewing machines. My family told me they made fashion for Western brands, but they couldn’t tell me which ones.




At the end of my fashion design studies I experienced how common it was to outsource textile productions to subcontractors who finishes the order at very low price conditions. Due to the high price pressure that Western fashion brands put on suppliers, they are often forced to go this way. The problem is that you don’t know to whom the order will be passed. Under what conditions do the dressmakers work? Are children possibly involved? At the end of my studies I travelled with my family to Vietnam for the first time. We visited relatives in a small village called Mytho. In Vietnam, many people leave their doors open – a welcoming gesture that gave me an insight into many houses. I discovered huge towers of clothing in them. My family worked in the clothing industry and I was allowed to take a look at their work. The factory was actually a home in which high clothing towers were gathered. Between them were one or two sewing machines. My family told me they made fashion for Western brands, but they couldn’t tell me which ones. “Someone brings us the cut fabrics and we sew the clothes together.” They showed me a cargo pants with pockets, pants you can find at H&M, Takko or other cheaper fashion brands. My relatives earned 70 cents for each pair of pants they sewed. My question, whether the other houses with the clothing towers were also doing such work, was affirmed by them. I didn’t understand this system back then. But I was shocked about this low production price, because I knew that such trousers cost about 19.90 € at H&M.





l'amour est bleu Mytho




In fashion it’s all about pricing

When I later started working in the fashion industry, I understood what I had seen in Vietnam. None of my former employers deliberately handed over their orders to questionable subcontractors. It was the supplier who did it illegally. Sometimes the company was lucky and found out for itself, in the worst case it was the press. With my first employer, I experienced the circumstances that forced suppliers to apply such practices. My first job was as a designer, buyer and quality controller. Far too many tasks for one person, but I think that shows perfectly how the working conditions in this company were. As a buyer, I had to negotiate production prices with suppliers, which I received from another department. The pressure was high, as higher production prices were not accepted. Every day we put pressure on suppliers whose existence depended on the high order volumes of this fashion company. My boss was a woman in her late 20s (or early 30s) who more than realized herself in her profession. She and many other colleagues worked every day of the month and spent a weekend or max. two at home. Accordingly, these women no longer had a relationship with reality. My boss benefit from her powerful position and canceled finished orders without hesitation because the delivery date was postponed or a seam did not please her. Once she drove a producer into bankruptcy because she cancelled a high order. For her, this was a success that she had to share with the other colleagues during her lunch break. I only stayed in this place for six months. It was a terrible time, but I took a lot with me for my future professional life.





l'amour est bleu Produktion




A factory in Jahnsdorf

These experiences shaped me so much that I decided to do everything differently. I wanted to know my suppliers well and to be able to trust them. I also didn’t want to spend most of my time on trips abroad but I wanted to invest this time in my family instead. Therefore a production in Germany was the best solution. The selection was quite small, I could find four suppliers and decided for the Studio U&N. The former managing director seemed friendly, professional and competent. Her successor Mr. Weißbach also made a good impression on me, which was confirmed. When I met them personally, I realized that we shared the same corporate values. I was also enchanted by the place itself. Jahnsdorf is a small village with many small houses that are so sweet that garden gnomes could live in them. I liked the idea of being able to offer jobs for women living in this village. The 27 dressmakers from Studio U&N are middle-aged, down-to-earth women who do not use social media and are photo-shy. I was more than pleased that the production manager Mrs. Kolleck agreed to take a photo with Mr. Weißbach. When I opened my mail, I had to discover that I had sent them the “Who made my clothes” sign instead of the “I made your clothes” sign. Anyway, they both laughed so kindly on this photo that I accepted it with gratitude.



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l'amour est bleu Who made my clothes

Who made my clothes – Warum es wichtig ist, danach zu fragen.


ENGLISH VERSION

Es ist wieder Fashion Revolution Week und Konsumenten werden dazu aufgerufen, die Modemarken zu fragen: „Who made my clothes?“ – „Wer hat meine Kleidung hergestellt?“ Wer die Organisation Fashion Revolution noch nicht kennt, es handelt sich dabei um eine Nonprofit Organisation, die nach dem Einsturz der Fabrik Rana Plaza in Bangladesch gegründet wurde. Bei diesem tragischen Unfall starben 1.138 Menschen und 2.500 wurden verletzt, womit sie zu einen der schlimmsten Industriekatastrophen der Geschichte gehört. Dabei darf nicht vergessen werden, dass dies nicht der einzige Fabrikeinsturz in der Textilindustrie war. Seitdem ruft Fashion Revolution am 24. April zur Fashion Revolution Week auf, um an die Opfer von Rana Plaza zu gedenken und eine Veränderung in der Modeindustrie zu bewirken.




Rana Plaza änderte alles

Auch mich hat damals dieser tragische Unfall stark erschüttert und ich hinterfragte mein Kaufverhalten und die Industrie, in der ich arbeitete. Bis zu dem Zeitpunkt hat mir Mode unheimlich viel Spaß gemacht. Ich probierte neue Trends aus und wartete sehnsüchtig auf jeden ZARA-Sale. Jeder H&M Designer-Kollaboration fieberte ich mit Hochspannung entgegen. Als ich das erste Mal in London war, musste ich auf jeden Fall einen Primark aufsuchen. Ich kannte die neuesten It-Bags und -Schuhe und träumte davon, irgendwann genug Geld zu verdienen, um sie mir zu leisten. Ich hatte so viel Kleidung und noch viel mehr Schuhe und trug trotzdem immer die gleichen Sachen. Rana Plaza rüttelte an mir, doch mein Konsumverhalten wollte oder konnte ich noch nicht ändern. Erst als ich die Ausstellung Fast Fashion besuchte und mir plakativ vor Augen gehalten wurde, wie wir Konsumenten Mode zu einem Wegwerfprodukt degradiert haben und welche Auswirkungen es auf die Umwelt und Menschen hatte, fühlte ich ein Unbehagen aufkommen. Ich werde nie vergessen, wie ich aus dieser Ausstellung kam und wirklich traurig war. Traurig darüber, welche negativen Facetten die Branche hatte, in der ich mit Leidenschaft arbeitete. Ich konnte mich immer weniger mit den Werten meines alten Arbeitgebers identifizieren. Ich hatte tolle Arbeitskollegen und arbeitete unter wirklich guten Arbeitsbedingungen. Doch die Mentalität „Mehr für niedrigere Preise verkaufen“, konnte ich nicht mehr teilen.




Mir wurde bewusst, dass es nachhaltige Mode sein musste. Das war für mich die einzige Möglichkeit, um in dieser Branche weiterhin tätig zu bleiben. Dieser Entschluss fühlte und fühlt sich immer noch richtig an. 




Der private Umzug nach Berlin gab mir die Möglichkeit mein Arbeitsumfeld zu ändern. Es war nicht von vornherein klar, dass ich mich der nachhaltigen Mode widmen würde. Doch als ich die freie Zeit nutzte, um über die letzten Jahre meines Berufslebens zu reflektieren wurde mir bewusst, dass es nachhaltige Mode sein musste. Das war für mich die einzige Möglichkeit, um in dieser Branche weiterhin tätig zu bleiben. Dieser Entschluss fühlte und fühlt sich immer noch richtig an. Endlich hatte ich das Gefühl aktiv die Modebranche verändern zu können. Über die Schwierigkeiten moderne, nachhaltige Mode zu entwerfen hatte ich dir bereits in vorigen Blogposts erzählt. Das Mindestmengenproblem bereitete mir mit der geringen Auswahl an schönen nachhaltigen Stoffen Kopfzerbrechen. Wie sollte ich nachhaltige Mode machen, wenn die Industrie mich dazu drängt möglichst hohe Mengen an Stoff zu kaufen und möglichst hohe Stückzahlen zu produzieren? Da ich im Allgemeinen noch dazu neige den schwierigsten Weg auszuwählen, setzte ich mir noch das Ziel eine lokale Produktion in Deutschland umsetzen zu wollen.





l'amour est bleu stock photo




Muss es wirklich “Made in Germany” sein?

„Warum produzierst du in Deutschland? Ist das nicht teuer? Du hast doch viele Kontakte im Ausland“. Ja, es ist teuer. Und ja, ich habe viele Kontakte im Ausland, wo es mich nur ein Drittel oder noch weniger kosten würde – und die Musterungskosten von ca. 300 € pro Style entfallen würden. Ich setzte mir bei der Gründung von l’amour est bleu das hohe Ziel eine 100% nachhaltige Lieferkette zu etablieren. Aus diesem Ziel wurde schnell ein Wunschdenken. Bei den Stoffen konnte ich dank Zertifizierungen sicherstellen, dass die Lieferkette von der Faser bis zum fertigen Stoff umweltschonend und sozial fair war. Doch bei der Produktion musste ich kapitulieren: Fairtrade- oder GOTS-zertifizierte Produktionsstätten lachten mich förmlich aus, wenn ich mit meinen 50 Stück pro Style um die Ecke kam. Natürlich konnte ich auf einen der Produzenten aus meinen alten Jobs zurückgreifen. Doch ich wusste, dass ein Produzent im Ausland zwangsläufig mit vielen Reisen verbunden war, um die Arbeitsbedingungen zu kontrollieren. Ich konnte nicht mit gutem Gewissen nachhaltige Mode verkaufen, wenn ich mir nicht zu 100% sicher sein konnte, dass mein Produzent wirklich unter fairen Bedingungen meine Bekleidung herstellt. Oder die Produktionen nicht an Unterlieferanten weitergibt.




Die Fabrik war eigentlich ein Wohnhaus, in dem sich ebenfalls hohe Bekleidungstürme sammelten. Dazwischen standen ein bis zwei Nähmaschinen. Meine Familie erzählte mir, dass sie Mode für westliche Marken herstellten, doch für welche, das konnten sie mir nicht sagen.




Bereits zum Ende meines Modedesignstudiums erlebte ich, wie gängig die Praxis war, Textilproduktionen an Unterlieferanten zu vergeben. Dabei wird ein Teil oder die gesamte Produktion an einen anderen Produzenten vergeben, der den Auftrag zu sehr niedrigen Preiskonditionen umsetzt. Durch den hohen Preisdruck, den westliche Modemarken auf die Produzenten ausüben, werden sie oftmals gezwungen diesen Weg zu gehen. Das Problem an dieser Sache ist, dass man nicht weiß, an wem der Auftrag weitergegeben wird. Unter welchen Bedingungen arbeiten die Schneiderinnen? Sind womöglich Kinder involviert? Zum Ende meines Studiums reiste ich mit meiner Familie zum ersten Mal nach Vietnam. Dort besuchten wir Verwandte in einem kleinen Ort namens Mytho. In Vietnam lassen viele Menschen ihre Eingangstür geöffnet – eine willkommenheißende Geste, die mir Einblick in viele Häuser gewährte. Ich entdeckte in vielen Häusern riesige Türme von Bekleidung. Meine Familie arbeitete in der Bekleidungsbranche und ich durfte einen Blick auf ihre Arbeit werfen. Die Fabrik war eigentlich ein Wohnhaus, in dem sich ebenfalls hohe Bekleidungstürme sammelten. Dazwischen standen ein bis zwei Nähmaschinen. Meine Familie erzählte mir, dass sie Mode für westliche Marken herstellten, doch für welche, das konnten sie mir nicht sagen. „Uns bringt jemand die zugeschnittenen Stoffe vorbei und wir nähen die Kleidung zusammen“. Sie zeigten mir eine Cargohose mit aufgesetzten Taschen im urbanen Stil, eine Hose die man bei H&M, Takko oder anderen preiswerteren Modemarken findet. 70 Cent erhielten meine Verwandten pro genähte Hose. Meine Frage, ob die anderen Häuser mit den Bekleidungstürmen ebenfalls solche Aufträge erledigten, bejahten sie. Ich verstand damals dieses System nicht. War aber erschrocken über diesen geringen Produktionspreis, weil ich wusste, dass solch eine Hose bei H&M etwa 19,90 € kostete.





l'amour est bleu Mytho




In der Mode dreht sich alles um den Preis

Als ich später begann in der Modeindustrie zu arbeiten, verstand ich, was ich damals in Vietnam gesehen hatte. Keiner meiner ehemaligen Arbeitgeber übergab bewusst ihre Aufträge an fragwürdige Unterlieferanten. Es waren die Produzenten, die es illegaler Weise taten. Manchmal hatte das Unternehmen Glück und kam selber dahinter, im schlimmeren Fall war es die Presse. Doch ich erlebte bei meinem ersten Arbeitgeber auch die Umstände, die die Produzenten dazu nötigte, solche Praktiken anzuwenden. Bei meinem ersten Job war ich Designerin, Einkäuferin und Qualitätscontrollerin. Viel zu viele Aufgaben für eine einzige Person, aber ich denke das verdeutlicht, wie die Arbeitsmoral in diesem Unternehmen war. Als Einkäuferin musste ich die Produktionspreise mit den Produzenten verhandeln, welche ich von einer anderen Abteilung vorgeschrieben bekam und durchzusetzen hatte. Der Druck war enorm, denn höhere Produktionspreise wurden nicht akzeptiert. So übten wir tagtäglich Druck auf die Produzenten aus, deren Existenz von den hohen Ordermengen dieses Modeunternehmens abhingen. Meine Chefin war eine Frau Ende 20 (oder Anfang 30), die sich in ihrem Beruf mehr als selbst verwirklichte. Sie und viele andere Kolleginnen arbeiteten jeden Tag im Monat und verbrachten ein bis höchstens zwei Wochenenden zu Hause. Dementsprechend hatten diese Frauen kein Verhältnis mehr zur Realität. Meine Chefin ging förmlich in ihrer Machtposition auf und ließ ohne mit der Wimper zu zucken fertig produzierte Aufträge platzen, weil sich der Liefertermin verschob oder ihr eine Naht nicht passte. Einmal trieb sie einen Produzenten in die Insolvenz, weil sie eine hohe Order stornierte. Für sie ein Erfolg, den sie erst einmal in der Mittagspause mit den anderen Kolleginnen teilen musste. Ich blieb in diesem Laden nur sechs Monate. Es war eine furchtbare Zeit, doch ich nahm viel für mein zukünftiges Berufsleben mit.





l'amour est bleu Produktion




Eine Produktion in Jahnsdorf

Diese Erlebnisse prägten mich so sehr, dass ich mir vornahm alles anders zu machen. Ich wollte meine Produzenten gut kennen und ihnen vertrauen können. Zudem wollte ich nicht den Großteil meiner Zeit auf Lieferantenreisen verbringen, weil ich diese Zeit in meine Familie investieren wollte. Daher war eine Produktion in Deutschland naheliegend. Die Auswahl war nicht groß, ich konnte vier Produzenten auftreiben und entschied mich für das Studio U&N. Weil die ehemalige Geschäftsführerin freundlich, professionell und kompetent wirkte. Auch ihr Nachfolger Herr Weißbach machte einen guten Eindruck auf mich, der sich bestätigte. Bei meinem Besuch vor Ort stellte ich fest, dass meine Unternehmenswerte hier gelebt wurden. Zudem verzauberte mich der Ort an sich. Jahnsdorf ist ein ganz kleines Örtchen mit vielen kleinen Häusern, die so süß sind, dass darin Gartenzwerge wohnen könnten. Ich fand es schön, Frauen aus solch einem kleinen Ort Arbeit beschaffen zu können. Die 27 Schneiderinnen vom Studio U&N sind bodenständige Frauen im mittleren Alter, die keine sozialen Medien nutzen und fotoscheu sind. Umso mehr freute ich mich, dass immerhin die Produktionsleitung Frau Kolleck sich für ein Foto mit Herrn Weißbach bereit erklärte. Als ich meine Mail öffnete, stellte ich mit Entsetzen fest, dass ich ihnen das „Who made my clothes“- anstelle des „I made your clothes“-Schild zugeschickt hatte. Egal, die beiden lachten auf dem Foto so freundlich, dass ich es dankend entgegennahm.



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Wie wird man SLOW in einer Fast Fashion Welt


Während ich diesen Beitrag schreibe, sitze ich im Zug Richtung Berlin. Dieses Wochenende habe ich meine beste Freundin in Bayern besucht, obwohl laut meinem Terminkalender überhaupt keine Zeit dafür war. Vor zwei Wochen waren meine Familie und ich 14 Tage im Thailand-Urlaub, das Weihnachtsgeschäft geht los…es gäbe 1000 Gründe, weshalb ich nicht hätte fahren dürfen. Doch ich habe es trotzdem getan. Für mich bedeutet ein nachhaltiges Modelabel führen auch ein bewussteres Business führen. Sich einerseits den Gesetzen und dem Rhythmus der Modeindustrie zu fügen, aber andererseits dem Ganzen gleichzeitig an Geschwindigkeit zu nehmen.




Dem Hamsterrad der Modewelt entfliehen

Die Modewelt ist wie ein Hamsterrad, das auf 100 km/h läuft. Nie kann etwas schnell genug sein, am besten hätte man den neuesten Trend schon heute im Laden hängen. Diesem Rhythmus bin ich die letzten zehn Jahre stumpf gefolgt und habe auch Gefallen daran gefunden. Doch vor einigen Jahren überkam mich das Gefühl, dass die Modeindustrie sich selber überholt hat. Bei der ganzen Hektik blieb keine Zeit mehr für Kreativität und neue Ideen. Man rannte angestrengt den erfolgreichen Playern hinterher und kopierte alles, was sie taten. Diesem Hamsterrad bin ich entflohen und widmete mich der nachhaltigen Mode. Ich wollte alles anders machen und Mode schaffen, die sich von der Masse abhebt. Den Gesetzen der Mode- bzw. Konsumindustrie wollte ich mich widersetzen und einen bewussteren Konsumstil einführen. Mir wurde sehr schnell vor Augen geführt, wie revolutionär meine Ideen waren.









Die revolutionäre Idee von Slow Fashion

Als erstes wollte ich Made-to-Order-Kollektionen einführen – das bedeutet, es wird nur Mode produziert, die tatsächlich bestellt wurde. Wenn das alles unter fairen Arbeitsbedingungen ablaufen soll, müsste ein Kunde für ein bezahlbares, nachhaltiges Kleidungsstück etwa sechs Wochen warten. Mir wurde schnell um die Ohren geworfen, dass heutzutage NIEMAND bereit ist, so lange auf ein Kleidungsstück zu warten! Erst Recht nicht, wenn es nur online verkauft wird. Na gut, die Idee wurde schnell verworfen und ich plante 3-Monatskollektionen mit kleinem Umfang und geringer Stückzahl. Das war auch nicht wirklich umsetzbar, weil nur eine geringe Anzahl an Produzenten Lust auf solche Mini-Produktionen hat. Jeder Stoffeinkauf unter 50 m ist so teuer, dass das Thema bezahlbare nachhaltige Mode daran scheiterte. Letztendlich entstand daraus der Kompromiss aus 3-Monatskollektionen aus drei bis vier Modellen mit jeweils 50 Stück pro Modell. Für ein junges, eigenfinanziertes Modelabel eine große finanzielle Herausforderung.





Nachdem ich alle Partner für die Umsetzung meiner Kollektionen gefunden hatte, ging die erste Kollektion in Produktion und ich stellte fest, wie viele Akteure in der Lieferkette deinen wunderbaren Zeitplan sabotieren können. Stofflieferung zwei Wochen zu spät, Produktion zwei Wochen zu spät, Fotoshooting um 2 Wochen nach hinten verschoben, Fotobearbeitung eine Woche zu spät…so sammelte sich innerhalb kürzester Zeit eine Verspätung von vier bis sechs Wochen an. In der Modeindustrie tödlich!!! Von der alten Arbeitsattitüde geprägt, machte mich das Wahnsinnig. Ich bekam die Krise, wenn meine Produktion ab 16 Uhr nicht mehr erreichbar war. Ich flippte aus, wenn mein Textillieferant mir keinen konkreten Liefertermin nennen konnte. Ich explodierte, wenn ein Kleidermodell Passformschwierigkeiten aufwies. Es entspricht nicht meiner Natur, Lieferanten Druck zu machen, denen hinterher zu telefonieren und per E-Mail alle 30 min. zu belästigen. Dies musste ich in der Vergangenheit tun und fand es furchtbar. Es entsprach auch nicht meiner Vorstellung von nachhaltiger Mode.




Es wird keiner daran sterben

Ich lernte Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern konnte. „Let it go“, wie es so schön in der Eiskönigin heißt und wie mir meine Tochter regelmäßig vorträllert. Doch der Weg bis dahin war schwer. Wenn du alleine dein eigenes Business gründest und nicht die Rückendeckung von Investoren oder reichen Eltern hast, erlaubst du dir keine großen Fehler. Doch mir kam ein Satz wieder in den Sinn, der mir damals als Angestellte sehr oft im Kopf schwirrte: „Es wird keiner daran sterben“. Ich gönne es meinen Schneiderinnen, am Freitag nach 16 Uhr Feierabend zu haben. Meine Schnittmacherin soll keine Nachtschichten schieben, um neben ihren vielen Aufträgen meinen Auftrag termingerecht zu erledigen. Meine Fotografin soll mir Fotos übergeben, mit denen auch sie zufrieden ist und nicht welche, die sie wie am Fließband bearbeitet hat. Ich genehmigte mir und meinen Partnern in dieser Fast Fashion Welt „SLOW“ zu werden. Insgesamt das Tempo zu drosseln, damit höhere Qualität erzielt werden kann.









Ein Unternehmen bewusst führen

SLOW werden bedeutet für mich ebenfalls, mich nicht für mein Business aufzugeben. Ich habe mein eigenes Modelabel gegründet, um einen Traum zu verwirklichen. Doch gleichzeitig ist es mein Ziel, meine Familie und Freunde niemals zu vernachlässigen. Denn das sind die Personen, die in meinem Leben zählen. Ich unternehme an fast jedem Wochenende etwas mit meiner Familie und finde es nicht schlimm, dafür am Samstag- und Sonntagabend noch zu arbeiten. Es gibt kaum etwas Unvernünftigeres als im ersten Geschäftsjahr zwei Wochen Urlaub zu machen. Aber ich brauchte es. Mutterwerden war für mich eines der schwierigsten Kapitel in meinem Leben. Mein zweites Kind – mein Modelabel – auf die Welt zu bringen, hatte mir sämtliche Reserven geraubt. Ich brauchte eine Auszeit und die habe ich mir gegönnt. Meine beste Freundin und mich trennt seit vielen Jahren 500 km Entfernung und wir haben uns über ein Jahr nicht mehr gesehen. Sie steht gerade vor einer großen Veränderung in ihrem Leben und ich hatte das Gefühl, für sie da sein zu müssen. Einfach nur Zeit mit ihr zu verbringen, um ihr zu zeigen, dass ich trotz meines Business immer Zeit für sie finde. Solche Entscheidungen fallen mir bei der Masse an Arbeit nicht leicht. Aber ich bereue sie nicht. Ich weiß nicht, wohin mich diese Einstellung führen wird. Doch es fühlt sich für mich und mein nachhaltiges Modelabel richtig an.





Fotos: Veri Ivanova, Nancy Jesse, Leslie Juarez