Täglicher Archiv: faire Produktion

Alexas Alphabet nachhaltige Kinder und Damenmode

Lieblingsmarke: Alexas Alphabet

Alexas Alphabet – handmade key pieces

Alexas Alphabet ist das nachhaltige Damen- und Kindermodelabel meiner Freundin Alexa. Uns verbindet eine lange Freundschaft – kennengelernt haben wir uns im Job und unsere gemeinsame Leidenschaft für Mode hat uns zusammengeführt und macht bis heute unsere Freundschaft aus. Alexa hat ein Händchen für Farben und Muster und das wirst du auch an ihren Designs sehen. Für mich sind ihre Kleider und Kinderröcke ein absolutes Must Have, weil sie aus nachhaltigen Stoffen bestehen, in Deutschland gefertigt werden und gute Laune machen! Deshalb habe ich Alexa gebeten, auf meinem Blog mehr über ihre Mode zu erzählen.

Alexas Alphabet nachhaltige und faire Mode

Warum noch eine weitere Modemarke? …weil die Zeit dafür reif ist!

Während meiner jahrelangen Arbeit im Fast Fashion Business habe ich viele Einblicke in die konventionelle Mode-Branche gewonnen: Das Geschäftsmodell verlangt immer schnelleren Konsum und damit immer günstigere Produkte. Die Produktqualität und Verarbeitung werden immer schlechter, Produktionsprozesse in immer neue, noch weiter entfernte Entwicklungsländer verlagert. Dies geht zu Lasten der Umwelt und der Menschen – insbesondere der Näherinnen in den zumeist asiatischen Ländern. Die Wertschätzung und das einzelne Produkt für ein Kleidungsstück tritt bei uns immer mehr in den Hintergrund. Wenn ich überlege, durch wie viele Hände ein Kleidungsstück geht, wie viele Leute daran arbeiten, vom Weben, Zuschnitt, Nähen, Färben, Aufbereitung, Einpacken und Verschiffen, macht mich der schnelle Konsum und die Kurzlebigkeit vieler Artikel richtig betroffen.

Alexas Alphabet nachhaltige und faire Mode

Mode inspiriert vom bunten Alltag mit Kindern 

So kam ich zu Alexas Alphabet beziehungsweise, die Idee zu Alexas Alphabet kam mir in meiner Elternzeit: Nachhaltige Mode, elegant, aber unkompliziert, geeignet für den Alltag moderner Frauen, also im Büro ebenso wie auf dem Spielplatz.

Inspiriert werde ich vom bunten Alltag mit Kindern, dem Zauber anderer Kulturen und der Schönheit dekorativer Drucke. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich zwei Töchter habe, dass ich noch Kinderröcke mit in die Kollektion genommen habe.

Für meine Kollektionen setze ich auf natürliche Materialien und faire Produktion: Es werden ausschließlich ökologische – nach Möglichkeit sogar mit dem umfassenden GOTS-Siegel zertifizierte – Stoffe in kleinen Stückzahlen in deutschen Schneiderwerkstätten verarbeitet. Die meisten meiner Lieferanten kenne ich persönlich. Ein respektvoller Umgang entlang der gesamten Produktionskette ist mir wichtig.

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Made to order

Slow Fashion auf Bestellung


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Glaubst du an Schicksal? Eine sehr spirituelle Frage, um einen Blogpost zu beginnen, ich weiß. Ich glaube an das Schicksal, weil sich viele Dinge in meinem Leben so gefügt haben, wie ich es mir gewünscht habe. Auf der anderen Seite sind auch viele Wünsche nicht in Erfüllung gegangen, doch da rede ich mir ein, dass es nicht so sein sollte!

Als l’amour est bleu noch eine Idee in meinem Kopf war, wollte ich ein nachhaltiges Modelabel gründen, das Mode auf Bestellung verkauft. Da ich schon immer nach der Devise „ganz oder gar nicht“ gelebt habe, war das für mich die nachhaltigste Art Mode zu machen. Meine Idee war es, Kollektionen zu entwerfen, eine Bestellphase einzurichten und anschließend nur so viel Stoff zu bestellen und Kleidungsstücke nähen zu lassen, wie auch bestellt worden sind. Doch diese nicht neu erfundene Art Mode zu machen war für andere äußerst revolutionär, wenn nicht sogar utopisch.




Keiner ist bereit zwei Wochen auf Mode zu warten

Jeder hat mir von Made to order abgeraten, angefangen bei Freunden bis hin zu Business-Beratern. „Kein Kunde sei bereit zwei Wochen auf Mode zu warten“ oder „dieses Geschäftsmodell sei nicht skalierbar“, durfte ich mir anhören. Trotzdem blieb ich meiner Vision treu, doch die größte Hürde war die Modeindustrie selbst. Sie war nicht für diese Art der Lieferkette gemacht. Die nachhaltige Modeindustrie war damals (vor zwei Jahren!) noch viel kleiner, als sie heute ist und in diesem Bereich eine neue Lieferkette einführen zu wollen, war unmöglich. Na gut, es hätte mit viel Geld und Zeit funktioniert, was ich beides nicht hatte. Die konventionelle Modeindustrie funktioniert nämlich so: Lange Vorlaufzeiten, hohe Mengen, hohes Investment, großes Risiko. Wir arbeiten an einer Sommerkollektion mit einem Vorlauf von einem Jahr und sollen da entscheiden, welche Stoffe und Styles im nächsten Jahr zu einer Kollektion zusammengestellt werden sollen. Anschließend wird noch geschätzt, wie viele Teile in welchen Größen hergestellt werden sollen und fertig ist die Kollektion. Dann heißt es Augen zu und Daumen drücken. Dieses System funktioniert so gut, dass Unternehmen wie H&M oder Burberry jedes Jahr Millionen von Kleidung verbrennen. Ich investierte viel Zeit darin, Stofflieferanten und Produzenten mein Konzept zu erklären und obwohl sie den nachhaltigen Ansatz befürworteten, wollten oder konnten sich nicht auf Made to order einlassen.





fashion industry




Man muss sich der mächtigen Modeindustrie fügen  

Letztendlich habe ich klein beigegeben und meine erste Kollektion ganz konventionell vorproduzieren lassen – vier Styles mit jeweils 50 Stück pro Style, aufgeteilt in die Größen S, M und L. Der Bank, die meine Idee finanziert hat, gefiel diese Methode auch besser. Die zweite und dritte Kollektion habe ich genauso umgesetzt, nur mit geringeren Stückzahlen. Es trat das ein, was bei allen Modemarken eintritt: Ich blieb auf einigen Styles sitzen. Aus jahrelanger Erfahrung legte ich den Größenschwerpunkt von l’amour est bleu auf die Größe M und musste feststellen, dass meine Kundinnen hauptsächlich Größe S kaufen. Dann gibt es natürlich Styles die schlechter verkauft werden, als andere. Diese werden in der Modeindustrie liebevoll als „Penner“ bezeichnet. Das wurmte mich sehr, denn die nicht verkauften Kleidungsstücke waren gebundenes Geld, welches ich für als Investition für die nächsten Kollektionen brauchte. Was sollte ich nun tun? Die Reste im SALE unter Wert verkaufen? An Influencer verschenken? Ich tat nichts davon, sondern behielt einen langen Atem. Schließlich sind meine Designs zeitlos und saisonunabhängig, d.h. ich musste die Frühjahr-Sommer-Kollektion nicht in einer Saison abverkaufen. So füllt sich die Kasse zwar langsamer, aber ich entwerte nicht meine Mode und die Arbeit, die dahintersteckt.




Das Schicksal führte mich zu Made to order

Trotzdem wurmte mich die Vorstellung, für jede Kollektion ein hohes Investment zu tätigen und blind Bekleidung anfertigen zu lassen, auf der ich lange Sitze. Im letzten Jahr kam es schließlich dazu, dass die finanziellen Mittel nicht mehr reichten, um die nächste Kollektion vorzufinanzieren. Als die Bank dann noch einen weiteren Kredit ablehnte, bekam ich es mit der Panik zu tun. War es jetzt das Ende? Ich kann doch nicht einfach eine Kollektion auslassen? Und da schoss mir meine alte Vision wieder in den Kopf: Warum nicht Made to order ausprobieren? Theoretisch hatte ich noch genug Ware zum Abverkaufen, doch eine neue Kollektion sollte für frischen Wind sorgen. Was hatte ich schließlich zu verlieren? Im schlimmsten Fall hätte ich kein Teil der Made to order-Kollektion verkauft und hätte nur die Kosten für die Stoffe und meine Zeit investiert. Da mir diese Idee nämlich sehr kurzfristig einfiel, fehlte leider die Zeit die Muster von meiner Schnittmacherin und Produktion in Jahnsdorf anfertigen zu lassen.





l'amour est bleu made to order




Jetzt laufe ich mindestens einmal die Woche zu Karen, um meine fertig genähten Bestellungen abzuholen…ich glaube, besser konnte es nicht kommen. Obwohl doch, es kommt noch besser: Die Made to order-Kollektion ist aktuell die erfolgreichste Kollektion von l’amour est bleu!




Auch die höchste Hürde kann man meistern

Die Musterkollektion war die einfachere Herausforderung bei der Umsetzung von Made to order. Die viel größere Herausforderung war Schneider*innen zu finden, die für mich die Bestellungen nähen. Das Studio U&N konnte dieses Projekt nicht umsetzen, weil die Manufaktur nicht für solche flexiblen Aufträge ausgelegt ist. Letztendlich war es meine Bekannte Jovan von j.jackman, die mir unter die Arme griff. Sie las von meinem Made to order-Projekt auf Instagram und schlug mir vor, es mit ihrer Schneiderin zu probieren. j.jackman bietet moderne Businessmode an, die ebenfalls erst auf Bestellung in Berlin gefertigt wird. Dank Jovan näht nun Karen meine Bestellungen. Sie ist freiberufliche Schneiderin und hat ein eigenes Atelier, welches von mir zehn Minuten fußläufig erreichbar ist. Jetzt laufe ich mindestens einmal die Woche zu Karen, um meine fertig genähten Bestellungen abzuholen…ich glaube, besser konnte es nicht kommen. Obwohl doch, es kommt noch besser: Die Made to order-Kollektion ist aktuell die erfolgreichste Kollektion von l’amour est bleu! Das macht mich so unglaublich stolz, dass meine Vision in Erfüllung gegangen ist. Umso stolzer macht es mich, dass es so viele Frauen gibt, die bereit sind für ein Kleidungsstück zwei bis drei Wochen Wartezeit in Kauf zu nehmen. Das gibt mir Hoffnung, dass meine ganzen Bemühungen, die Modewelt nachhaltiger zu gestalten nicht vergebens ist. Um zu meiner Einstiegsfrage zurückzukommen. Ja, ich glaube an Schicksal und daran, dass deine Träume in Erfüllung gehen können. Und falls der ein oder andere Traum nicht wahr werden sollte, dann wartet auf dich etwas viel Besseres.



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l'amour est bleu Made in Germany

Woher kommt dein Kleid?


ENGLISH VERSION

„Woher kommst du?“ Eine Frage, die ich in meinem Leben unzählige Male gestellt bekommen habe. Wenn deine Herkunft nach außen hin so offensichtlich ist, dass Menschen dich danach fragen, dann lernst du irgendwann damit umzugehen. Das Witzige dabei ist, dass ich in Deutschland oder genauer gesagt in Hamburg geboren bin. Doch mit dieser Antwort gibt sich niemand zufrieden. Was uns bei Menschen so sehr zu interessieren scheint, interessiert die meisten Menschen bei Bekleidung in keiner Weise. Dabei ist die Herkunft eines Kleidungsstücks genauso vielfältig, wie die eines Menschen.




Deine Herkunft ist ein Teil von dir

Meine Eltern sind in Vietnam geboren, haben sich in Deutschland kennengelernt und haben mich in der schönen Hansestadt Hamburg zur Welt gebracht. Seit meiner Kindheit an war meine Herkunft ein zentrales Thema in meinem Leben. Angefangen bei meinem schwer auszusprechenden Namen bis hin zum Aussehen, die Menschen in meiner Umgebung hatten genug Anhaltspunkte, um mich ständig nach meiner Herkunft zu fragen. In meiner Jugend war die Außenwelt noch nicht so tolerant gegenüber fremden Kulturen, wie es heute der Fall ist. Die Vorurteile und Beschimpfungen gegenüber meinem Aussehen und meiner Kultur führten dazu, dass ich anfing meine Herkunft abzulehnen. Manchmal wünschte ich mir einfach nur dazuzugehören und nicht anders zu sein. Je älter ich wurde, desto mehr stellte ich fest, dass meine Herkunft ein fester Bestandteil von mir ist, den ich nicht leugnen kann. Ich fing an mir einzureden, dass es etwas Besonderes ist, anders zu sein als der Großteil der Menschen um mich herum. Das machte ich so lange, bis ich endlich erkannte, dass es stimmte.





l'amour est bleu Sweater




Woher kommt deine Bekleidung?

So offensichtlich meine Herkunft ist, so unersichtlich ist die Herkunft eines Kleidungsstücks. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen bei ihrer Bekleidung das gleiche Interesse für die Herkunft aufbringen, wie für ihre Mitmenschen. Doch der Mensch neigt dazu, sich mit der unbequemen Realität nicht auseinandersetzen zu wollen. Die Herkunft eines Bekleidungsstücks ist mindestens genauso vielfältig, wie die eines Menschen. Das Material, aus dem es besteht, wird im Fall von Bio-Baumwolle in Indien, in der Türkei oder Amerika angebaut. Dort wird das Material geerntet und zu Baumwollgarn verarbeitet. Der Stoff wird manchmal im gleichen Land, aber größtenteils in einem anderen Land hergestellt. Dort wird das Garn gefärbt und zu dem Stoff des Kleidungsstücks verarbeitet, das du später in der Hand hältst. Bis dahin ist das Kleidungsstück noch nicht geboren, denn meistens wird es erst in einem weiteren Land hergestellt. Dort wird der Stoff zugeschnitten und von Schneider*innen zu dem Kleidungsstück verarbeitet, das du letztendlich kaufst. Doch auch hier gibt es noch Unterschiede.




Diesem Gerücht habe ich es allerdings zu verdanken, dass einige Menschen skeptisch sind, wenn sie sehen, dass die Bio-Baumwolle vom Kleid Parisienne aus Indien kommt, der Stoff in Portugal gewebt und das Kleid in Deutschland genäht wurde. Der Anhänger von Klatschblätter-News denkt sich im ersten Moment: „Was willst du mir erzählen, dein Kleid wurde in Indien genäht!“




In Deutschland musst du an einem Produkt nicht das Herstellungsland angeben. Was allerdings gesetzlich geregelt ist, ist die Definition des Ursprungslandes. Das Land, in dem das Wesentliche eines Produkts hergestellt worden ist, entspricht dem Ursprungsland. Eigentlich sollte jedem klar sein, welche Bestandteile eines Kleidungsstücks wesentlich sind. Dennoch hält es Bekleidungshersteller nicht davon ab, den Großteil eines T-Shirts irgendwo in Asien produzieren und das Label in Deutschland annähen zu lassen, um es mit „Made in Germany“ zu kennzeichnen. Solche Gerüchte sind im Umlauf und ob es diese Vorfälle tatsächlich gegeben hat, konnte ich auf die Schnelle nicht recherchieren, weil mir das Internet hauptsächlich erzählt, dass VW mit dem Abgasskandal dem guten Ruf von „Made in Germany“ geschadet hat. Diesem Gerücht habe ich es allerdings zu verdanken, dass einige Menschen skeptisch sind, wenn sie sehen, dass die Bio-Baumwolle vom Kleid Parisienne aus Indien kommt, der Stoff in Portugal gewebt und das Kleid in Deutschland genäht wurde. Der Anhänger von Klatschblätter-News denkt sich im ersten Moment: „Was willst du mir erzählen, dein Kleid wurde in Indien genäht!“





Your story makes you special




Ich kenne die Herkunft meiner Mode

Mag sein, dass es Modemarken gibt, die solche Methoden praktizieren. Doch ich mache das nicht. Ich kenne von jedem Kleidungsstück in meiner Kollektion die Herkunft vom Material bis hin zum Herstellungsort. Ich weiß, dass alle Arbeitsschritte umweltschonend und fair erfolgt sind. Mit Stolz kann ich sagen, dass die Mode von l’amour est bleu komplett in Deutschland hergestellt wird. Ich kenne die Menschen in Jahnsdorf, die meine Kollektionen nähen (nicht jeden einzelnen, aber so einige) und ich kenne die Schneiderinnen, die meine Made-to-order Kollektionen in Berlin nähen. Diese Informationen teile ich ganz offen mit dir, weil ich in unserer Gesellschaft das Bewusstsein für die Herkunft unserer Bekleidung schaffen möchte. Mein Wunsch ist es, dass wir uns nicht nur fragen, woher die Person neben mir kommt, sondern woher das Kleid in meiner Hand herkommt und unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde.



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l'amour est bleu Who made my clothes

Who made my clothes – Why it is important to ask.


Fashion Revolution Week is back and consumers shall ask fashion brands: “Who made my clothes?” Who doesn’t know Fashion Revolution yet, it is a non-profit organization, which was founded after the collapse of the factory Rana Plaza in Bangladesh. This tragic accident killed 1,138 people and injured 2,500, making it one of the worst industrial disasters in history. What you should not forget is that this was not the only factory collapse in the textile industry. Since then, Fashion Revolution has been calling for Fashion Revolution Week on April 24th to commemorate the victims of Rana Plaza and to change the fashion industry.




Rana Plaza changed everything

I was also shocked from this tragic accident and I began questioning my shopping behaviour and the industry in which I worked. Until then, I loved fashion. I tried out new trends and waited longingly for every ZARA-Sale. I was eagerly awaiting every H&M Designer collaboration. When I was in London for the first time, I definitely had to go to Primark. I knew the latest It-bags and -shoes and dreamed of making enough money to afford them someday. I had so much clothes and so many more shoes and still wore the same things every day. Rana Plaza shook me, but I could not or did not want to change my shopping behaviour. It wasn’t until I visited the Fast Fashion exhibition that I felt uneasy about how we consumers had degraded fashion to a disposable product and the impact it had on the environment and people. I will never forget how I left the exhibition and felt really sad. Sad about the negative facets of the industry in which I worked with passion. I could not identify myself with the values of my old employer anymore. I had great colleagues and worked under good working conditions. But I could no longer share the mentality of “selling more for lower prices”.




I realized that it had to be sustainable fashion. This was the only way for me to continue to work in this industry.




When we moved to Berlin I got the chance to change my job. It was not clear from the beginning that I would devote myself to sustainable fashion. But when I used my free time to reflect on the last years of my professional life, I realized that it had to be sustainable fashion. This was the only way for me to continue to work in this industry. This decision felt and still feels right. Finally, I had the feeling that I could actively change the fashion industry. I already told you about the difficulties of designing modern, sustainable fashion in previous blog posts. The minimum quantity problem and the small selection of beautiful sustainable fabrics caused me headaches. How should I make sustainable fashion when the industry urges me to buy the highest possible quantities of fabric and produce the highest possible quantities? As I generally tend to choose the most difficult way, I set myself the goal to implement a local production in Germany.





l'amour est bleu stock photo




Does it really have to be “Made in Germany?”

“Why do you manufacture in Germany? Isn’t that expensive? You have many contacts abroad”. Yeah, it’s expensive. And yes, I have many contacts abroad, where it would only cost me a third or even less – and the sampling costs of about 300 € per style would be dropped. When I founded l’amour est bleu, I set myself the goal of establishing a 100% sustainable supply chain. This goal quickly became wishful thinking. According to fabrics, certifications enabled me to ensure that the supply chain from fibre to finished fabric was environmentally friendly and socially fair. But according production I had to give up: Fairtrade- or GOTS-certified production facilities laughed at me when I wanted to order 50 pieces per style. I could have chosen one of the suppliers from my old jobs. But I knew that a producer abroad was inevitably connected with many trips to control working conditions. I could not sell sustainable fashion with a clear conscience if I could not be 100% sure that my supplier really produced under fair conditions. Or does not pass the order to subcontractors.




The factory was actually a home in which high clothing towers were gathered. Between them were one or two sewing machines. My family told me they made fashion for Western brands, but they couldn’t tell me which ones.




At the end of my fashion design studies I experienced how common it was to outsource textile productions to subcontractors who finishes the order at very low price conditions. Due to the high price pressure that Western fashion brands put on suppliers, they are often forced to go this way. The problem is that you don’t know to whom the order will be passed. Under what conditions do the dressmakers work? Are children possibly involved? At the end of my studies I travelled with my family to Vietnam for the first time. We visited relatives in a small village called Mytho. In Vietnam, many people leave their doors open – a welcoming gesture that gave me an insight into many houses. I discovered huge towers of clothing in them. My family worked in the clothing industry and I was allowed to take a look at their work. The factory was actually a home in which high clothing towers were gathered. Between them were one or two sewing machines. My family told me they made fashion for Western brands, but they couldn’t tell me which ones. “Someone brings us the cut fabrics and we sew the clothes together.” They showed me a cargo pants with pockets, pants you can find at H&M, Takko or other cheaper fashion brands. My relatives earned 70 cents for each pair of pants they sewed. My question, whether the other houses with the clothing towers were also doing such work, was affirmed by them. I didn’t understand this system back then. But I was shocked about this low production price, because I knew that such trousers cost about 19.90 € at H&M.





l'amour est bleu Mytho




In fashion it’s all about pricing

When I later started working in the fashion industry, I understood what I had seen in Vietnam. None of my former employers deliberately handed over their orders to questionable subcontractors. It was the supplier who did it illegally. Sometimes the company was lucky and found out for itself, in the worst case it was the press. With my first employer, I experienced the circumstances that forced suppliers to apply such practices. My first job was as a designer, buyer and quality controller. Far too many tasks for one person, but I think that shows perfectly how the working conditions in this company were. As a buyer, I had to negotiate production prices with suppliers, which I received from another department. The pressure was high, as higher production prices were not accepted. Every day we put pressure on suppliers whose existence depended on the high order volumes of this fashion company. My boss was a woman in her late 20s (or early 30s) who more than realized herself in her profession. She and many other colleagues worked every day of the month and spent a weekend or max. two at home. Accordingly, these women no longer had a relationship with reality. My boss benefit from her powerful position and canceled finished orders without hesitation because the delivery date was postponed or a seam did not please her. Once she drove a producer into bankruptcy because she cancelled a high order. For her, this was a success that she had to share with the other colleagues during her lunch break. I only stayed in this place for six months. It was a terrible time, but I took a lot with me for my future professional life.





l'amour est bleu Produktion




A factory in Jahnsdorf

These experiences shaped me so much that I decided to do everything differently. I wanted to know my suppliers well and to be able to trust them. I also didn’t want to spend most of my time on trips abroad but I wanted to invest this time in my family instead. Therefore a production in Germany was the best solution. The selection was quite small, I could find four suppliers and decided for the Studio U&N. The former managing director seemed friendly, professional and competent. Her successor Mr. Weißbach also made a good impression on me, which was confirmed. When I met them personally, I realized that we shared the same corporate values. I was also enchanted by the place itself. Jahnsdorf is a small village with many small houses that are so sweet that garden gnomes could live in them. I liked the idea of being able to offer jobs for women living in this village. The 27 dressmakers from Studio U&N are middle-aged, down-to-earth women who do not use social media and are photo-shy. I was more than pleased that the production manager Mrs. Kolleck agreed to take a photo with Mr. Weißbach. When I opened my mail, I had to discover that I had sent them the “Who made my clothes” sign instead of the “I made your clothes” sign. Anyway, they both laughed so kindly on this photo that I accepted it with gratitude.



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l'amour est bleu Who made my clothes

Who made my clothes – Warum es wichtig ist, danach zu fragen.


ENGLISH VERSION

Es ist wieder Fashion Revolution Week und Konsumenten werden dazu aufgerufen, die Modemarken zu fragen: „Who made my clothes?“ – „Wer hat meine Kleidung hergestellt?“ Wer die Organisation Fashion Revolution noch nicht kennt, es handelt sich dabei um eine Nonprofit Organisation, die nach dem Einsturz der Fabrik Rana Plaza in Bangladesch gegründet wurde. Bei diesem tragischen Unfall starben 1.138 Menschen und 2.500 wurden verletzt, womit sie zu einen der schlimmsten Industriekatastrophen der Geschichte gehört. Dabei darf nicht vergessen werden, dass dies nicht der einzige Fabrikeinsturz in der Textilindustrie war. Seitdem ruft Fashion Revolution am 24. April zur Fashion Revolution Week auf, um an die Opfer von Rana Plaza zu gedenken und eine Veränderung in der Modeindustrie zu bewirken.




Rana Plaza änderte alles

Auch mich hat damals dieser tragische Unfall stark erschüttert und ich hinterfragte mein Kaufverhalten und die Industrie, in der ich arbeitete. Bis zu dem Zeitpunkt hat mir Mode unheimlich viel Spaß gemacht. Ich probierte neue Trends aus und wartete sehnsüchtig auf jeden ZARA-Sale. Jeder H&M Designer-Kollaboration fieberte ich mit Hochspannung entgegen. Als ich das erste Mal in London war, musste ich auf jeden Fall einen Primark aufsuchen. Ich kannte die neuesten It-Bags und -Schuhe und träumte davon, irgendwann genug Geld zu verdienen, um sie mir zu leisten. Ich hatte so viel Kleidung und noch viel mehr Schuhe und trug trotzdem immer die gleichen Sachen. Rana Plaza rüttelte an mir, doch mein Konsumverhalten wollte oder konnte ich noch nicht ändern. Erst als ich die Ausstellung Fast Fashion besuchte und mir plakativ vor Augen gehalten wurde, wie wir Konsumenten Mode zu einem Wegwerfprodukt degradiert haben und welche Auswirkungen es auf die Umwelt und Menschen hatte, fühlte ich ein Unbehagen aufkommen. Ich werde nie vergessen, wie ich aus dieser Ausstellung kam und wirklich traurig war. Traurig darüber, welche negativen Facetten die Branche hatte, in der ich mit Leidenschaft arbeitete. Ich konnte mich immer weniger mit den Werten meines alten Arbeitgebers identifizieren. Ich hatte tolle Arbeitskollegen und arbeitete unter wirklich guten Arbeitsbedingungen. Doch die Mentalität „Mehr für niedrigere Preise verkaufen“, konnte ich nicht mehr teilen.




Mir wurde bewusst, dass es nachhaltige Mode sein musste. Das war für mich die einzige Möglichkeit, um in dieser Branche weiterhin tätig zu bleiben. Dieser Entschluss fühlte und fühlt sich immer noch richtig an. 




Der private Umzug nach Berlin gab mir die Möglichkeit mein Arbeitsumfeld zu ändern. Es war nicht von vornherein klar, dass ich mich der nachhaltigen Mode widmen würde. Doch als ich die freie Zeit nutzte, um über die letzten Jahre meines Berufslebens zu reflektieren wurde mir bewusst, dass es nachhaltige Mode sein musste. Das war für mich die einzige Möglichkeit, um in dieser Branche weiterhin tätig zu bleiben. Dieser Entschluss fühlte und fühlt sich immer noch richtig an. Endlich hatte ich das Gefühl aktiv die Modebranche verändern zu können. Über die Schwierigkeiten moderne, nachhaltige Mode zu entwerfen hatte ich dir bereits in vorigen Blogposts erzählt. Das Mindestmengenproblem bereitete mir mit der geringen Auswahl an schönen nachhaltigen Stoffen Kopfzerbrechen. Wie sollte ich nachhaltige Mode machen, wenn die Industrie mich dazu drängt möglichst hohe Mengen an Stoff zu kaufen und möglichst hohe Stückzahlen zu produzieren? Da ich im Allgemeinen noch dazu neige den schwierigsten Weg auszuwählen, setzte ich mir noch das Ziel eine lokale Produktion in Deutschland umsetzen zu wollen.





l'amour est bleu stock photo




Muss es wirklich “Made in Germany” sein?

„Warum produzierst du in Deutschland? Ist das nicht teuer? Du hast doch viele Kontakte im Ausland“. Ja, es ist teuer. Und ja, ich habe viele Kontakte im Ausland, wo es mich nur ein Drittel oder noch weniger kosten würde – und die Musterungskosten von ca. 300 € pro Style entfallen würden. Ich setzte mir bei der Gründung von l’amour est bleu das hohe Ziel eine 100% nachhaltige Lieferkette zu etablieren. Aus diesem Ziel wurde schnell ein Wunschdenken. Bei den Stoffen konnte ich dank Zertifizierungen sicherstellen, dass die Lieferkette von der Faser bis zum fertigen Stoff umweltschonend und sozial fair war. Doch bei der Produktion musste ich kapitulieren: Fairtrade- oder GOTS-zertifizierte Produktionsstätten lachten mich förmlich aus, wenn ich mit meinen 50 Stück pro Style um die Ecke kam. Natürlich konnte ich auf einen der Produzenten aus meinen alten Jobs zurückgreifen. Doch ich wusste, dass ein Produzent im Ausland zwangsläufig mit vielen Reisen verbunden war, um die Arbeitsbedingungen zu kontrollieren. Ich konnte nicht mit gutem Gewissen nachhaltige Mode verkaufen, wenn ich mir nicht zu 100% sicher sein konnte, dass mein Produzent wirklich unter fairen Bedingungen meine Bekleidung herstellt. Oder die Produktionen nicht an Unterlieferanten weitergibt.




Die Fabrik war eigentlich ein Wohnhaus, in dem sich ebenfalls hohe Bekleidungstürme sammelten. Dazwischen standen ein bis zwei Nähmaschinen. Meine Familie erzählte mir, dass sie Mode für westliche Marken herstellten, doch für welche, das konnten sie mir nicht sagen.




Bereits zum Ende meines Modedesignstudiums erlebte ich, wie gängig die Praxis war, Textilproduktionen an Unterlieferanten zu vergeben. Dabei wird ein Teil oder die gesamte Produktion an einen anderen Produzenten vergeben, der den Auftrag zu sehr niedrigen Preiskonditionen umsetzt. Durch den hohen Preisdruck, den westliche Modemarken auf die Produzenten ausüben, werden sie oftmals gezwungen diesen Weg zu gehen. Das Problem an dieser Sache ist, dass man nicht weiß, an wem der Auftrag weitergegeben wird. Unter welchen Bedingungen arbeiten die Schneiderinnen? Sind womöglich Kinder involviert? Zum Ende meines Studiums reiste ich mit meiner Familie zum ersten Mal nach Vietnam. Dort besuchten wir Verwandte in einem kleinen Ort namens Mytho. In Vietnam lassen viele Menschen ihre Eingangstür geöffnet – eine willkommenheißende Geste, die mir Einblick in viele Häuser gewährte. Ich entdeckte in vielen Häusern riesige Türme von Bekleidung. Meine Familie arbeitete in der Bekleidungsbranche und ich durfte einen Blick auf ihre Arbeit werfen. Die Fabrik war eigentlich ein Wohnhaus, in dem sich ebenfalls hohe Bekleidungstürme sammelten. Dazwischen standen ein bis zwei Nähmaschinen. Meine Familie erzählte mir, dass sie Mode für westliche Marken herstellten, doch für welche, das konnten sie mir nicht sagen. „Uns bringt jemand die zugeschnittenen Stoffe vorbei und wir nähen die Kleidung zusammen“. Sie zeigten mir eine Cargohose mit aufgesetzten Taschen im urbanen Stil, eine Hose die man bei H&M, Takko oder anderen preiswerteren Modemarken findet. 70 Cent erhielten meine Verwandten pro genähte Hose. Meine Frage, ob die anderen Häuser mit den Bekleidungstürmen ebenfalls solche Aufträge erledigten, bejahten sie. Ich verstand damals dieses System nicht. War aber erschrocken über diesen geringen Produktionspreis, weil ich wusste, dass solch eine Hose bei H&M etwa 19,90 € kostete.





l'amour est bleu Mytho




In der Mode dreht sich alles um den Preis

Als ich später begann in der Modeindustrie zu arbeiten, verstand ich, was ich damals in Vietnam gesehen hatte. Keiner meiner ehemaligen Arbeitgeber übergab bewusst ihre Aufträge an fragwürdige Unterlieferanten. Es waren die Produzenten, die es illegaler Weise taten. Manchmal hatte das Unternehmen Glück und kam selber dahinter, im schlimmeren Fall war es die Presse. Doch ich erlebte bei meinem ersten Arbeitgeber auch die Umstände, die die Produzenten dazu nötigte, solche Praktiken anzuwenden. Bei meinem ersten Job war ich Designerin, Einkäuferin und Qualitätscontrollerin. Viel zu viele Aufgaben für eine einzige Person, aber ich denke das verdeutlicht, wie die Arbeitsmoral in diesem Unternehmen war. Als Einkäuferin musste ich die Produktionspreise mit den Produzenten verhandeln, welche ich von einer anderen Abteilung vorgeschrieben bekam und durchzusetzen hatte. Der Druck war enorm, denn höhere Produktionspreise wurden nicht akzeptiert. So übten wir tagtäglich Druck auf die Produzenten aus, deren Existenz von den hohen Ordermengen dieses Modeunternehmens abhingen. Meine Chefin war eine Frau Ende 20 (oder Anfang 30), die sich in ihrem Beruf mehr als selbst verwirklichte. Sie und viele andere Kolleginnen arbeiteten jeden Tag im Monat und verbrachten ein bis höchstens zwei Wochenenden zu Hause. Dementsprechend hatten diese Frauen kein Verhältnis mehr zur Realität. Meine Chefin ging förmlich in ihrer Machtposition auf und ließ ohne mit der Wimper zu zucken fertig produzierte Aufträge platzen, weil sich der Liefertermin verschob oder ihr eine Naht nicht passte. Einmal trieb sie einen Produzenten in die Insolvenz, weil sie eine hohe Order stornierte. Für sie ein Erfolg, den sie erst einmal in der Mittagspause mit den anderen Kolleginnen teilen musste. Ich blieb in diesem Laden nur sechs Monate. Es war eine furchtbare Zeit, doch ich nahm viel für mein zukünftiges Berufsleben mit.





l'amour est bleu Produktion




Eine Produktion in Jahnsdorf

Diese Erlebnisse prägten mich so sehr, dass ich mir vornahm alles anders zu machen. Ich wollte meine Produzenten gut kennen und ihnen vertrauen können. Zudem wollte ich nicht den Großteil meiner Zeit auf Lieferantenreisen verbringen, weil ich diese Zeit in meine Familie investieren wollte. Daher war eine Produktion in Deutschland naheliegend. Die Auswahl war nicht groß, ich konnte vier Produzenten auftreiben und entschied mich für das Studio U&N. Weil die ehemalige Geschäftsführerin freundlich, professionell und kompetent wirkte. Auch ihr Nachfolger Herr Weißbach machte einen guten Eindruck auf mich, der sich bestätigte. Bei meinem Besuch vor Ort stellte ich fest, dass meine Unternehmenswerte hier gelebt wurden. Zudem verzauberte mich der Ort an sich. Jahnsdorf ist ein ganz kleines Örtchen mit vielen kleinen Häusern, die so süß sind, dass darin Gartenzwerge wohnen könnten. Ich fand es schön, Frauen aus solch einem kleinen Ort Arbeit beschaffen zu können. Die 27 Schneiderinnen vom Studio U&N sind bodenständige Frauen im mittleren Alter, die keine sozialen Medien nutzen und fotoscheu sind. Umso mehr freute ich mich, dass immerhin die Produktionsleitung Frau Kolleck sich für ein Foto mit Herrn Weißbach bereit erklärte. Als ich meine Mail öffnete, stellte ich mit Entsetzen fest, dass ich ihnen das „Who made my clothes“- anstelle des „I made your clothes“-Schild zugeschickt hatte. Egal, die beiden lachten auf dem Foto so freundlich, dass ich es dankend entgegennahm.



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