Warum habt ihr euch für den Handel mit nachhaltigen Stoffen entschieden?
Keiner von uns hatte zuvor die Idee sich selbständig zu machen. Es fing damit an, dass Benjamin und ich 1 1/2 Jahre in Indien studiert haben. Durch mein Studium der Umweltwissenschaften war ich schon ein Öki, bevor ich nach Indien gegangen bin. Ich hatte mich bereits in Deutschland für Ernährung und ökologische sowie regionale Themen interessiert. Kleidung hatte ich damals aber noch nicht im Sinn.
Und wie seid ihr dann zu nachhaltigen Stoffen gekommen?
In Indien erfuhr ich, dass sich durchschnittlich 12.000 Baumwollbauern im Jahr das Leben nehmen. Das Problem sind die Gifte, die beim Baumwollanbau zum Einsatz kommen. Bei meinen Recherchen stieß ich auch auf Sumangali. In Indien leiden viele Familien unter der hohen Mitgift, die sie bei der Vermählung ihrer Töchter zahlen müssen. Das nutzen die Textil-Industriebosse aus und bieten den Familien einen Arbeitsplatz für ihre Tochter in ihren Baumwollfabriken an. Für z.B. drei Jahre Arbeit kann sich die Tochter die Mitgift und ein zusätzliches Gehalt erarbeiten. Letztendlich werden die jungen Mädchen in solchen Fabriken wie Leibeigene behandelt. So findest du entlang der gesamten Herstellungskette beim Färben, bei der Konfektion, usw. Missstände, die mir während meines Indienaufenthalts förmlich vor die Füße gefallen sind.
Letztendlich war der Trigger ein Zeitungsartikel über das Färben von Bio-Stoffen mit ayurvedischen Kräutern, um Krankheiten durch das Tragen der Stoffe zu heilen. Da kamen wir das erste Mal auf die Idee, dass man auch coole Projekte mit ökologischem und sozialen Anspruch umsetzen kann. Wir stellten Bettwäsche aus ayurvedisch gefärbten Stoffen her und Lebenskleidung war geboren. Leider haben wir nicht bedacht, dass die ayurvedische Bettwäsche nur bei 30 Grad gewaschen werden durfte, was sich in Deutschland als großes Problem erwies. Irgendwann bekamen wir das Feedback, dass die Auswahl an nachhaltigen Stoffen für die Modebranche zu klein wäre. So entstand die nächste Stufe unseres Business: Wir verkauften unsere ersten Stoffe mit Hilfe von Sammelbestellungen auf unserer Webseite. Mittlerweile bringen wir unsere eigenen Stoffkollektionen auf den Markt, die wir immer im Lager verfügbar haben.