l'amour est bleu Love Stories Mai & Oli

Love Stories: Mai & Oli

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Insbesondere in der aktuellen Corona-Krise fehlt uns die Liebe zu anderen am meisten, so dass wir uns etwas Besonderes überlegt haben. Mit den l’amour est bleu „Love Stories“ erzählen wir euch anhand von Interviews Geschichten über unterschiedliche Beziehungen. Diese Geschichten sollen inspirieren, zum Nachdenken anregen oder einfach nur unterhalten. Unser Wunsch ist es, das Thema Beziehung in den Vordergrund zu rücken und dir zu zeigen, wie unterschiedlich Beziehungen sein können.

Das erste Interview mit Nici & Florian findest du hier. In der zweiten Liebesgeschichte erzählen wir von Mai und Oli – wie sie sich gefunden haben und ob ihre unterschiedliche Herkunft Einfluss auf ihre Beziehung hat. Mai ist meine jüngere Schwester und PR-Managerin von l’amour est bleu. Ich kenne sie mit all ihren guten und schlechten Seiten und muss sagen: Hut ab Oli, nur ein starker Mann hält es an der Seite von Mai aus! Mit ihrer dynamischen Art ist sie wie ein Wirbelwind, der Menschen entweder mitreisst oder sie verrückt macht. Ich finde, dass Mai mit Oli ihren Ruhepol gefunden hat, der sie ausgleicht. Was mich aber viel mehr interessiert hat war, ob deren unterschiedliche Herkunft Einfluss auf ihre Beziehung hat.

Wie habt ihr euch kennengelernt?

Oli: Nach 1 ½ Jahren Singledasein hatte ich mal wieder Lust feiern zu gehen und wollte mit einem Freund zu einer kulturellen Veranstaltung, mit cooler Musik und Kunst. Mein Freund hat mich kurzfristig sitzen gelassen und so bin ich allein dorthin.

Mai: Ich war zufällig in der Ecke unterwegs, um eine Location für Maystudio zu besichtigen. Da rief mich meine Freundin an und wir stellten fest, dass sie auf einer Veranstaltung ganz in der Nähe war. Sie sagte, dass sie mich unbedingt sehen wollte und da habe ich ihr den Gefallen getan.

Oli: Als Mai den Raum betrat, ist sie mir sofort aufgefallen. Sie hatte so eine Präsenz, dass ich sie angucken musste.

Mai: Meine Freundin sagte dann zu mir: „Der Typ da in der Ecke, der dich anschaut, sieht aus wie dein Ex-Freund in gutaussehend!“ Da ich so schlecht sehen konnte, habe ich Oli total angeglotzt!

Oli: Für mich sah das so aus, als ob sie Blickkontakt aufnehmen wollte. Dann haben wir immer wieder Blickkontakt gehabt, bis sie irgendeine Geste gemacht hat, auf die ich mit Schultern zucken reagiert habe, weil ich sie nicht verstanden habe. Dann ist sie einfach auf mich zugekommen.

Mai: Ich brauchte dringend eine Massage und dachte mir, dass Oli gerade wie gerufen kommt! Er hat mich übrigens auf Englisch angesprochen!

Oli: Ja, Mai sah so international aus! So wie sie angezogen war und vom Auftreten her, konnte sie meiner Meinung nach, keine Hamburgerin sein. Nachdem wir uns 15 Minuten unterhalten hatten, hat sie mich abgeschleppt.

Hat sich eure Beziehung schnell zu einer festen Beziehung entwickelt?

Mai: Ich war am Anfang gar nicht auf eine feste Beziehung aus. Ich wollte einfach mal schauen, wie sich das so entwickelt. Doch Oli meinte dann ziemlich schnell, dass er keine halben Sachen mag, was ich wirklich gut fand.

Wie war es, als ihr die Eltern des anderen kennengelernt habt?

Mai: Oli wollte mich seinen Eltern bereits nach einer Woche vorstellen! Total deutsch!

Oli: Ich habe mir gar nichts dabei gedacht. Ich habe meinen Geburtstag gefeiert und wollte sie einfach mitnehmen. Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass es in der asiatischen Kultur eine wichtige Sache ist, wenn man den Eltern vorgestellt wird – fast wie eine Verlobung. Ich habe Mai dann etwas später vorgestellt und meine Mutter war auf Anhieb begeistert. Du kennst ja Mai, jeder mag sie.

Gab es von deiner Familie gar keine Einwände oder Bedenken bzgl. der unterschiedlichen Kulturen?

Oli: Nein, überhaupt nicht. Das gab es in meiner Familie nie. Ich bin schon als ganz kleines Kind mit meinen Eltern in fremde Länder gereist und dadurch gab es nie Berührungsängste mit anderen Kulturen.

„Da habe ich mit den Eltern meines ersten Freundes ganz andere Erfahrungen gemacht. Von denen habe ich schon öfters Witze wie „Reisfresser“ oder „Kommen deine Schlitzaugen vom Drücken auf der Toilette?“ gehört. Einmal haben sie sogar Witze über den Vietnamkrieg gemacht.“

l'amour est bleu Love Stories Mai & Oli

Mai: Da war es bei unseren Eltern schon anders, du kennst ja Mama. Sie wollte natürlich wissen, woher Oli kommt und als ich ihr sagte, er habe polnische und niederländische Wurzeln, packte sie gleich ihre ganzen Vorurteile aus. Als sie Oli dann kennengelernt hat, konnte er sie natürlich schnell vom Gegenteil überzeugen. Olis Eltern sind wirklich sehr offene Menschen und haben sich noch nie negativ über meine vietnamesischen Wurzeln geäußert. Da habe ich mit den Eltern meines ersten Freundes ganz andere Erfahrungen gemacht. Von denen habe ich schon öfters Witze wie „Reisfresser“ oder „Kommen deine Schlitzaugen vom Drücken auf der Toilette?“ gehört. Einmal haben sie sogar Witze über den Vietnamkrieg gemacht.

Wie hast du darauf reagiert?

Mai: Ich war noch sehr jung und wusste nicht wirklich, wie ich darauf reagieren sollte. In unserer Kultur werden Eltern und Ältere respektiert, so dass ich mich nicht getraut habe, mich zu wehren. Hinzu kommt, dass ich mit solchen Witzen und Beschimpfungen aufgewachsen bin. Wenn du solchen Beleidigungen von Kind auf hörst, wird es irgendwann zur Normalität und du nimmst es einfach hin.

Oli: Das geht überhaupt nicht. Solche Beleidigungen sind niveaulos und dürfen nicht einfach so hingenommen werden.

Mai: Oli würde man niemals solche Beleidigungen an den Kopf werfen, weil er sich so etwas nicht gefallen lässt. Ich finde es gut, dass es ihm leicht fällt, anderen zu zeigen, wo da die Grenze ist.

Oli: Mir ist aufgefallen, dass Mai immer höflich bleibt, obwohl sich ihr Gegenüber beleidigend oder unangemessen verhält.

Mai: Das habe ich aus meiner asiatischen Kultur. Mir fällt es schwer meinem Gegenüber zu zeigen, dass mir etwas nicht passt und ich habe die Angewohnheit immer höflich bleiben zu müssen. Das war mir vorher gar nicht so bewusst, Oli hat mich erst darauf aufmerksam gemacht.

Reagierst du nun anders, wenn jemand dir gegenüber unhöflich oder beleidigend wird?

Mai: Mittlerweile lasse ich mir nicht mehr so viel gefallen, doch ich muss noch daran arbeiten, das sofort und deutlicher zu zeigen.

l'amour est bleu Love Stories Mai & Oli

Habt ihr bereits negative Erfahrungen in der Gesellschaft gemacht?

Oli: Nein, gar nicht.

Mai: Ich leider schon. Mir wurde in Bezug auf meine Beziehung zu Oli tatsächlich schon ein paar Mal gesagt: „Zuerst nehmt ihr uns die Jobs weg und jetzt auch noch die Männer!“ Im Allgemeinen würde ich auch sagen, dass ich im Alltag oft mit Vorurteilen gegenüber meiner Herkunft zu tun habe. Das sind nicht alles negative, dazu gehören auch positive Vorurteile wie z.B. dass Asiaten so fleißig und umgänglich wären. Ich hatte schon einige Jobs, wo mir gesagt wurde: „Wir arbeiten gerne mit Asiaten zusammen, weil ihr einen guten Job macht und man mit euch gut zurechtkommt“.

Und wie empfindest du so eine Aussage?

Mai: Einerseits positiv, aber gleichzeitig werde ich einfach nur auf meine Herkunft beschränkt. Es geht in dem Moment nicht um mich als Person oder was ich kann, sondern was wir Asiaten im Allgemeinen können. Zusätzlich bekomme ich ja auch mit, dass Menschen anderer Nationalität den Job wegen ihrer Herkunft nicht bekommen haben. Ich fühle mich durch solche Erfahrungen schon als „Ausländer“ in diesem Land oder als nicht zugehörig.

l'amour est bleu Love Stories Mai & Oli

„Ich würde mir auch wünschen, dass in der Werbung oder Magazinen, etc. nicht mehr nur das klassische deutsche Werbegesicht gezeigt wird, sondern die unterschiedlichsten Frauen, damit sich jede Frau in dieser Gesellschaft angesprochen und zugehörig fühlt. „

Was würdet ihr euch im Umgang mit Menschen anderer Herkunft wünschen?

Oli: Auf jeden Fall mehr Respekt, Toleranz und weniger Radikalität. Ich würde mir wünschen, dass sich Offenheit gegenüber anderen Kulturen nicht nur im kleinen Kreis abspielt, sondern zur Normalität in der Gesellschaft wird.

Mai: Ich würde mir auch wünschen, dass in der Werbung oder Magazinen, etc. nicht mehr nur das klassische deutsche Werbegesicht gezeigt wird, sondern die unterschiedlichsten Frauen, damit sich jede Frau in dieser Gesellschaft angesprochen und zugehörig fühlt. Mir soll keiner mehr sagen, dass ich niemals eine Position bekommen werde, weil ich ein Gesicht habe, dass nicht in die Gesellschaft passt.

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