Was brauche ich als Unternehmerin?

Nachdem es einige Wochen still um mich geworden ist, melde ich mich endlich wieder zurück! Leider war ich nicht im wohlverdienten Sommerurlaub, sondern war mit der Erstellung meines Onlineshops beschäftigt. Dieses Projekt kostete mich so viel Kraft und Zeit, dass der Blog ruhen musste. Aber nun ist es geschafft! Der Shop ist online!

Nun kehre ich mit einem neuen Projekt zurück: Ich werde Dir in einer Reihe von Beiträgen erzählen, wie ich ein nachhaltiges Modelabel gegründet habe. In diesem Beitrag befasse ich mich mit einer Frage, die ich sehr oft gestellt bekomme:

„Was brauche ich als Unternehmerin?“

Viele finden es unglaublich mutig, dass ich mich mit der Gründung eines nachhaltigen Modelabels ins große Haifischbecken gewagt habe. Komischerweise empfinde ich meinen Schritt als gar nicht so mutig wie die Menschen um mich herum. Das verwundert sie umso mehr. Ich werde dann mit allen möglichen Fragen durchlöchert: „Hattest du gar keine Angst? Wie bist du das angegangen? Kannst du mir sagen, was mich davon abhält, mich selbständig zu machen?“ 

Die ersten beiden Fragen kann ich mühelos beantworten. Doch bei der dritten Frage gerate ich tatsächlich ins Stocken. Mal abgesehen davon, dass ich keine Psychologin bin, wusste ich wirklich nicht, was andere Menschen davon abhält, sich in die Selbständigkeit zu wagen. Doch als ich meinen beruflichen Werdegang und alle damit verknüpften Entscheidungen Revue passieren ließ, fiel mir die Antwort wie Schuppen von den Augen.

DRIVE

Für mich persönlich gibt es darauf nur eine Antwort: DRIVE. Damit meine ich nicht den Film mit Ryan Gosling (kleiner Scherz zum Totlachen am Rande!). Ich meine den Motor in Dir, der Dich vorantreibt und alle Hindernisse überwinden lässt. Mein Drive ist mein Traum vom eigenen Modelabel. Dieser Wunsch hat mir viele Entscheidungen in meinem Leben erleichtert. Dabei muss es nicht zwangsläufig ein konkreter Berufswunsch sein, der Dich im Leben vorantreibt. Es ist viel wichtiger in sich zu horchen und sich zu fragen: „Wer bin ich und was erwarte ich vom Leben?“. In meiner Jugend habe ich mich intensiv mit dieser Frage beschäftigt. Je älter ich wurde, desto weniger Zeit hatte ich zu reflektieren. Wir sollten uns öfters dazu zwingen, in unserem Hamsterrad kurz anzuhalten und uns zu fragen: „Laufe ich noch in die richtige Richtung?“.

Der Traum vom eigenen Modelabel

Für mich ist Berufung ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich möchte in meinem Leben einen Beruf ausüben, der mir Spaß macht und mich erfüllt. Das Ziel, mein Modelabel zu gründen, spielte eine entscheidende Rolle bei allen beruflichen Entscheidungen in meinem Leben. Nach meinem Abitur bewarb ich mich an mehreren Hochschulen für ein Modedesignstudium. Mir war dabei von vornherein klar, dass ich mir kein teures Privatstudium finanzieren wollte. Dadurch hatte ich den Druck, an der staatlichen Hochschule die Eignungsprüfung bestehen zu müssen. Bei der Mappenberatung an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg erlebte ich den ersten Rückschlag in meinem Leben. Von Kind auf liebte ich das Zeichnen und habe während der gesamten Schulzeit nur Bestnoten im Schulfach Kunst erzielt. Dann sagte mir der Student in der Mappenberatung vor allen anderen Bewerbern, dass ich nicht zeichnen könnte! Er riet mir tatsächlich einen Kurs zu belegen!

Meine Welt brach zusammen. Ich verlor jeglichen Halt unter meinen Füßen. „Habe ich mir mein Talent mein ganzes Leben lang eingebildet?“, schoss es durch meinen Kopf.

Sich nicht unterkriegen lassen

Ich belegte keinen Kurs. Aber ich gab mich auch nicht geschlagen. Es waren sechs Monate bis zur Prüfung und in der Zeit zeichnete ich, was das Zeug hielt (neben meinem Aushilfsjob als Verkäuferin bei Peek & Cloppenburg). Ich zeichnete und malte Portraits, Akte und Stillleben. In den sechs Monaten schaffte ich eine komplett neue Bewerbungsmappe im Stil der alten Schule – und bestand die Prüfung. Die Mappe erzielte zwar nur die Mindestnote ausreichend, aber sie brachte mich in die Eignungsprüfung. Diese bestand ich mit Bravour!

Wenn Du mich jetzt fragst, was mich damals trotz des vernichtenden Urteils angetrieben hatte, sage ich Dir erneut: Es war der innere Drive. Oder in anderen Worten ausgedrückt, das Vertrauen in meine Fähigkeiten. Ich glaube daran, dass Du alles in Deinem Leben erreichen kannst. Du musst es nur wirklich wollen.

Vertrauen in die eigenen Entscheidungen

Vor über 40 Jahren verließ meine Familie Vietnam, um sich ein Leben in Frieden zu ermöglichen. Sie ließ alles zurück, was sie sich bis dahin erarbeitet hatte: Ländereien, Häuser, Vermögen, Familie und Freunde – das alles, um ein freies Leben in Sicherheit zu führen. Unsere Generation ist so sicher aufgewachsen, dass viele von uns sich gar nicht vorstellen können, dass sich Menschen für ein Leben in Frieden in Lebensgefahr begeben. Viele von uns nehmen unser freies Leben als selbstverständlich hin. Es ist für sie unerklärlich, dass Menschen alles aufgeben, um ein Leben in Freiheit zu führen.

Dieses innere Vertrauen, das man braucht, um sich in ein Boot Richtung Freiheit zu setzen – dieses Vertrauen hat meine Familie mir mitgegeben.

Es gab noch unzählige Momente, in denen ich an mir und meinen Fähigkeiten zweifelte. Doch mein Traum gab mir immer den nötigen Drive, um alle Hürden zu überwinden. Drive ist sicherlich nur eine von vielen Faktoren, die eine Unternehmerin mitbringen sollte. Für mich ist es bisher die wichtigste gewesen.

Fotos: Nancy Jesse, Lindsay Henwood, So Flow, Nic Macmillan

2 Idee über “Was brauche ich als Unternehmerin?

  1. Ait-hmida sagt:

    Liebe Thien,
    Ich wusste gar nicht, dass Du sooo viele Talente hast.
    Du hast einen ganz lebendigen Schreibstil, der wirklich fesselnd ist – offen, ehrlich und auch witzig.
    Ich lese sehr gerne Deinen Blog.
    Lg FA

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.