Täglicher Archiv: Lifestyle

How do I buy fashion more consciously and sustainably?

Falls du dich bereits mit dieser Frage beschäftigt hast, ist das sehr löblich. Denn der Großteil der konsumierenden Menschen verschließt lieber die Augen vor den Missständen in der Modeindustrie. Es ist auf keinen Fall so, dass ich nur noch nachhaltige Mode einkaufe. Da scheitert es bei mir zum einen am Budget, denn nachhaltige Mode hat berechtigterweise ihren Preis. Zum anderen gibt es bisher nur wenige Modemarken, die meinen persönlichen Stil widerspiegeln. Doch ein nachhaltiges Modelabel gründen bedeutet für mich auch, mich mit meinem Modekonsum bewusst auseinanderzusetzen.

Wenn ich ein neues Kleidungsstück kaufe, schaue ich generell immer bei den nachhaltigen Marken zuerst – sei es im Avocadostore, Glore, Love eco, DearGoods…mittlerweile gibt es bereits eine große Auswahl an nachhaltigen Shops. Ich schaue ebenfalls direkt bei den Onlineshops der nachhaltigen Marken rein und habe bei einigen auch schon eingekauft. Aber nach über zehn Jahren in der Modebranche habe ich einen hohen Anspruch an meine Mode entwickelt. Für mich muss ein Kleidungsstück ein gutes Verhältnis aus Stil, Passform, Qualität und Preis haben, damit ich es kaufe. Beim Hinterfragen der Mode, die man kauft, fängt für mich der bewusstere und nachhaltigere Modekonsum an. Nur noch nachhaltige Modemarken zu kaufen ist zu einseitig gedacht. Beim Kleidungskauf die Kriterien Stil, Passform, Qualität und Preis zu hinterfragen ist für mich ein nachhaltigerer Ansatz.

Passt das Kleidungsstück wirklich zu meinem Stil?

Frage dich, bevor du ein Kleidungsstück kaufst, ob es wirklich zu deinem Stil passt. Natürlich darfst du dich neu erfinden und mit Mode experimentieren. Ich fand eine Zeit lang schwarze BHs unter weißen Oberteilen richtig stylish (danke Carrie für diese tolle Modeinspiration). Wenn ich heute die Fotos von mir in diesem besagten Outfit sehe, graut es mir. Oder meine lilafarbenen Velourleder-Schaftstiefel! Mindestens genauso gruselig! Bei meinem Stil und modischen Anspruch mache ich keine Kompromisse. Ich möchte die Arbeit nachhaltiger Marken unterstützen, aber dafür trage ich nicht etwas, was ich nicht bin. Und deshalb mache ich ja auch meine eigene Mode – in der Hoffnung mir und anderen Frauen die Möglichkeit zu geben, sich nachhaltig und modisch anspruchsvoll kleiden zu können.

Passt mir das Kleidungsstück wirklich?

Die Frage nach der Passform hat ebenfalls seine Berechtigung: Ich kenne unzählige Freundinnen, die mit mir zur Spezies Sich-Selbst-Belügen-Frauen gehören. Diese Spezies Frau kauft sich zu enge Kleidung in der Hoffnung, nach der besagten Diät (oder nach der Stressphase oder dem Urlaub oder irgendwelchen anderen Ausreden) hineinzupassen. Hat es bei dir geklappt? Falls ja, dann Glückwunsch, bei mir und 90% der anderen Frauen nämlich nicht. Ich gehöre zu den Frauen, die nach dem Essen heimlich den Knopf der zu engen Jeans aufmachen, weil sie sonst keine Luft mehr bekommen. Mittlerweile kaufe ich keine zu enge oder schlechtsitzende Kleidung mehr. Da liegt meine Kompromissbereitschaft seit der Geburt meiner Tochter bei null. Es gibt nämlich etwas noch Schlimmeres als nach dem Essen an der zu engen Jeans zu ersticken – nämlich mit einer zu engen Jeans auf dem Boden zu krabbeln und dabei zu ersticken.

Hat das Kleidungsstück eine gute Qualität?

Die Qualität der Bekleidung ist ebenfalls ein Kriterium, auf das ich heutzutage großen Wert lege. Nachdem ich mich mehrere Winter an den unzähligen Stromschlägen von meinen Acryl-Schals und -Pullovern fast zu Tode erschreckt habe, kommt mir kein Acryl mehr in den Kleiderschrank. Polyesterkleidung ist bei der Anprobe immer was Schönes – schön fließend, knittert nicht und luftig leicht. Doch dann merkst du, wie du an einem heißen Sommertag in deiner halbtransparenten Polyester-Bluse wie bei einem Spaziergang durch die Sahara schwitzt. Wenn die antistatische Waschung nach einigen Waschmaschinengängen entfernt worden ist, entdeckst du plötzlich beim Vorbeigehen am Spiegel, dass deine Haare zu Berge stehen. Zu guter Letzt kommen noch die Stromschläge dazu. Ich habe von diesen schönen Erlebnissen genug und verzichte mittlerweile weitestgehend auf Kunstfasern. Manchmal lässt es sich leider nicht vermeiden, weil viele Blazer und Kleider doch noch mit Polyester gefüttert werden.

Stimmt bei dem Kleidungsstück das Preis-Leistungsverhältnis?

Der letzte Punkt Preis-Leistungsverhältnis ist mitunter der wichtigste Punkt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich bei der Kleiderwahl nicht nur blind auf die Marke und den Preis verlassen kann. Ich habe bereits viel Geld für Mode von Closed, Sandro oder Maje ausgegeben und mich im Nachhinein wahnsinnig geärgert, wenn ich die Kleidung nach zwei bis drei Mal tragen komplett entsorgen musste. Nähte oder Stoffe haben sich komplett aufgelöst, so dass ich die Kleidung noch nicht einmal flicken konnte. Bei einigen wahnsinnig teuren Designerprodukten konnte ich keinen Unterschied zu günstigen Marken feststellen – die Schuhe haben genauso gedrückt oder die Tasche zeigte nach kurzer Zeit Gebrauchsspuren wie nach einem Krieg. Ich habe einen wunderschönen Jacquardmantel von Closed, den ich nach dreimal tragen wie ein Schaf scheren muss. Aber ich finde den Mantel so schön, dass ich es in Kauf nehme…doch nachdem er wieder verfilzt ist, hängt er erst einmal eine Zeit lang im Schrank. Auf der anderen Seite besitze ich viele Kleidungsstücke von ZARA und anderen Fast Fashion Ungeheuern, die ich bereits seit vielen Jahren trage und die nach wie vor einwandfrei sind (ja, das geht bei ausgewählten Teilen). Daher prüfe ich immer, ob Qualität und Preis zusammenpassen. Ich schaue mir die Etiketten nach Material und Herkunft an, das Material selbst (hängt es bereits verfusselt am Bügel?) und auch die Verarbeitung (sind die Nähte gerade, stehen schon Fäden ab?). Gedanken wie „es ist so günstig, das nehme ich jetzt einfach mit“ oder „das ist die und die Marke, da wird die Qualität schon passen“, habe ich nicht mehr. Ich schaue mir jedes Kleidungsstück ganz genau an. Dementsprechend weniger Mode kaufe ich auch.

Nachhaltige Mode ist von dieser Prüfung nicht ausgeschlossen. Hier gibt es genauso viele Kandidaten, die durchfallen. Dies betrifft das Kriterium Stil genauso wie Passform oder Qualität. Bewussterer und nachhaltigerer Bekleidungskauf fängt für mich vor allem bei dem „bewusst“ an: Bewusst nachhaltige Materialien bevorzugen, bewusst die Herkunft hinterfragen und bewusst das Kleidungsstück prüfen. So baust du dir allmählich einen Kleiderschrank mit deinen Lieblingskleidungsstücken auf, die du gerne und lange trägst.

Fotos: Hannah Morgan, Pete Bellis, Jose Alfredo Lerma Contreras, Jeremy Wong