l'amour est bleu Love Stories: Joana & Steffi

Love Stories: Joana & Steffi

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Alles Gute zum Valentinstag! Was bedeutet der Tag der Liebe für dich? Letztes Jahr haben wir mit den l’amour est bleu „Love Stories“ begonnen und haben viele positive Rückmeldungen erhalten. Deshalb möchten wir euch auch dieses Jahr eine neue Love Story erzählen, nämlich die von Joana und Steffi. Das Interview hatten wir bereits letztes Jahr geführt und es war so herzerwärmend deren Zuneigung zueinander zu spüren. Deren Geschichte zeigt uns, dass es manchmal seine Zeit braucht, bis man zueinander findet und dass man einander dann noch mehr zu schätzen weiß. Vor allem zeigt uns deren Liebesbeziehung, dass Liebe über alle Grenzen und Vorstellungen hinaus gehen kann und dass letztendlich der Mensch zählt und nichts anderes.

Wie habt ihr euch kennengelernt?

Steffi: Joana und ich kennen uns ja schon 11 oder 12 Jahre. Als wir uns kennengelernt haben, ist Joana gerade 18 geworden und ich war 19 oder 20. Ich war in einem Club feiern, in dem Joana als DJ aufgelegt hat. Ich war total betrunken und habe mir bei Joana einen Song gewünscht, aber sie hat mich überhaupt nicht verstanden. Damals war es noch so, dass man Parties über Facebook-Gruppen zugesagt hat. Joana hat mich nach der Party in dieser Gruppe gesucht und angeschrieben.

Joana, du hattest von vornherein ein Auge auf sie geworfen?

Joana: Ja natürlich! Sie ist mir mit ihren super kurzen Haaren und lange Beinen sofort aufgefallen. Steffi hatte so eine großartige Ausstrahlung. Wenn Steffi lacht, dann lacht sie über das ganze Gesicht und das ist mir in Erinnerung geblieben. Ich habe ihr dann über Facebook einfach meine Handynummer geschickt!

Steffi: Und auf die Nachricht habe ich nicht geantwortet.

Joana: Ich habe ihr dann immer wieder geschrieben, bis sie geantwortet hat. Wir waren aber beide noch in Beziehungen. Bevor wir zusammengekommen sind, haben wir eine 6-jährige Affäre geführt.

Wart ihr damals schon in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung?

Steffi: In der Beziehung war ich bereits mit einer Frau zusammen, während ich in den vorigen Beziehungen mit Männern zusammen war. Ich möchte aber dazu sagen, dass es keine klassische Affäre war, wie man das aus dem Film kennt. Wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden und konnten über Gott und die Welt reden. Bis wir uns das erste Mal geküsst haben, hat es 1 ½ Jahre gedauert.

Und wieso hat es so lange gedauert, bis ihr ein Paar geworden seid?

Steffi: Obwohl wir uns so gut verstanden haben, traute sich keiner die aktuelle Beziehung zu beenden. Wir beide hatten ein großes Sicherheitsbedürfnis und hatten nicht den Mut diese heile Welt aufzugeben.

Wie lange seid ihr jetzt zusammen?

Steffi: Seit über 4 Jahren und wir sind seit über 3 Jahren verheiratet.

“Ich muss ehrlicherweise sagen, dass Steffi schon viel früher bereit war, eine Beziehung mit mir zu führen und dass ich mir unsicher war. Ich hatte noch das Bedürfnis mich austoben zu wollen und empfand es Steffi gegenüber als unfair, mit ihr eine Beziehung anzufangen, obwohl ich noch nicht bereit war.”

l'amour est bleu Love Stories: Joana & Steffi

Mich interessiert, wie der Antrag war!

Joana: Ich habe damals noch in Berlin gelebt und Steffi hatte mich regelmäßig besucht. Als wir uns endlich füreinander entschieden hatten, ging alles sehr schnell. Wir kannten uns schließlich schon so lange und wir waren uns beide ganz sicher. Für mich war klar, dass wenn ich mit Steffi zusammenkomme, dass ich sie heiraten möchte.

Ich muss auch ehrlicherweise sagen, dass Steffi schon viel früher bereit war, eine Beziehung mit mir zu führen und dass ich mir unsicher war. Ich hatte noch das Bedürfnis mich austoben zu wollen und empfand es Steffi gegenüber als unfair, mit ihr eine Beziehung anzufangen, obwohl ich noch nicht bereit war.

Um auf den Antrag zurückzukommen: In Berlin gibt es dieses 5-Sterne Hotel am Potsdamer Platz, das Ritz Carlton. Dort hatte ich eine Suite ganz oben gebucht und habe 400 Rosen organisiert, die ich überall in der Suite verteilt habe. Ich habe auch eine Torte mit „Marry me“ anfertigen lassen. Leider war ich nicht rechtzeitig fertig und musste Steffi anflunkern, indem ich ihr erzählte, dass ich einen Promi im Ritz fertig machen müsste.

Steffi: Du hast mich eine Stunde am Hauptbahnhof stehen lassen! Und hast immer nur kurz geschrieben: „Ich melde mich…“. Ich war soooo sauer auf dich!

Joana: Und ich war total im Stress und nur fertig! Den ganzen Tag im Salon gearbeitet und dann noch diese Vorbereitung! Ich musste fast alles selber machen! Dann habe ich Steffi abholen lassen und sie auf das Zimmer gebeten. Ich hatte einen roten Teppich ausgerollt voller Blumen, rote Rosen. Ein Dinner Tisch stand im Zimmer…bei dem Anblick war ihr natürlich klar, dass sie heute einen Antrag bekommt. Ich habe sogar jemanden beauftragt alles zu filmen und er hat tatsächlich vergessen die Kamera anzuschalten! Sowas von bescheuert! Es sollte halt nicht sein.

Steffi: Zum Glück passiert sowas in unserer Beziehung nicht mehr, weil ich jetzt alles plane.

Joana: Und wenn ich etwas plane, guckt sie noch einmal darüber. Es darf keine Überraschungen geben, Steffi muss auf alles vorbereitet sein.

Also ist Steffi der Kontroll-Freak in der Beziehung?

Joana: Ja genau, aber ich komme damit klar.

“Egal ob du in einer Partnerschaft oder Ehe bist, du bist ja trotzdem noch du selbst. Entweder du findest einen Gegenpart, der dich so nimmt und akzeptiert oder es soll einfach nicht sein.”

l'amour est bleu Love Stories: Joana & Steffi

Schön, dass ihr einander so nehmt wie ihr seid.

Joana: Das ist das Wichtigste für uns.

Steffi: Egal ob du in einer Partnerschaft oder Ehe bist, du bist ja trotzdem noch du selbst. Entweder du findest einen Gegenpart, der dich so nimmt und akzeptiert oder es soll einfach nicht sein. Ich habe mir einmal gesagt, dass ich niemals mehr mein Glück hintenanstellen möchte. Ich möchte mich nicht für jemand anderes verbiegen müssen. Ich glaube, dass es sehr selten ist, dass man so einen Partner findet und dass wir uns sehr glücklich schätzen können, dass wir einander so ergänzen.

Wie geht eure Familie mit der Beziehung um?

Joana: Steffis Mama (sie hat nur noch ihre Mutter) akzeptiert uns so wie wir sind und unterstützt uns. Sie behandelt mich wie ihre eigene Tochter und ist wie eine zweite Mama für mich. Ich bin sehr streng in einer katholischen Familie aufgewachsen und meine Eltern kennen es nicht, so liberal mit so einer Situation umzugehen.

Steffi: In Portugal ist es ja auch noch anders.

Joana: Sie gehören zu einer anderen Generation. Meine Eltern haben immer gesagt: „Andere sollen machen, was sie wollen, aber nicht meine eigene Tochter“. Deshalb habe ich kein enges Verhältnis zu meinen Eltern. Anders ist es mit meiner Großmutter, zu der ich ein enges Verhältnis habe und sie liebt auch Steffi. Da ist nur die Sprachbarriere dazwischen. Meine Eltern dachten eine lange Zeit, dass sei nur so eine Phase. Selbst als wir die Hochzeit verkündet haben, wollten sie es immer noch nicht glauben. Für Steffi ist es schwieriger als für mich, weil sie nicht die Geborgenheit bekommt, die sie verdient hätte.

Steffi: Ich kannte das vorher auch anders, weil ich vorher in Beziehungen war, in denen ich ein sehr gutes Verhältnis zu der Familie meines Partners oder meiner Partnerin hatte. Das ist für mich jetzt das Gegenteil. Damit hatte ich anfangs mitzukämpfen, aber mittlerweile habe ich mich damit zurechtgefunden. Joana ist meine Familie, meine Mutter ist meine Familie und das reicht mir.

Joana: Vielleicht ändert sich jetzt etwas, wenn sie erfahren, dass Steffi schwanger ist. Du musst wissen, dass ich eine sehr große Familie habe, von der ein großer Teil in Portugal auf dem Dorf lebt. Dieser Teil der Familie geht viel besser mit unserer Beziehung um als meine Eltern und Geschwister. Aber ich sehe das auch so wie Steffi: Sie ist meine Familie und mein ein und alles und der Rest ist egal.

Steffi: Dafür kennen wir so viele Menschen, die uns lieben.

l'amour est bleu Love Stories: Joana & Steffi

“Letztendlich verliebe ich mich auch nicht in das Geschlecht, sondern in einen Menschen. Und es ist jetzt Joana geworden und sie ist eine Frau und damit bin ich total fein. Ich würde aber auch nicht ausschließen, dass es ein Mann hätte sein können.”

Wie geht ihr mit eurer Beziehung in der Öffentlichkeit um?

Joana: Super offen. Uns ist es egal, was andere über uns denken.

Steffi: Wir passen uns im Urlaub schon an andere Kulturen an und achten darauf, wo man als gleichgeschlechtliches Paar hinreisen kann. Wir sind einerseits sehr offen, passen uns aber der Umgebung an. Auch wenn es mehr und mehr in unserer Gesellschaft ankommt und offener diskutiert wird, sind gleichgeschlechtliche Beziehungen nach wie vor noch nicht „normal“ und das muss man auch so offen sagen.

Und habt ihr auch schon negative Erfahrungen gemacht?

Joana: Nein eigentlich nicht.

Steffi: Manchmal bekommen wir komische Fragen, wie: “Wer ist der Mann in eurer Beziehung?” Ich denke mir dann immer: „Sieht man doch!“ Oder: “Wenn ihr ein Kind bekommt, sagt das Kind dann Papa zu Joana?” Wieso sollte unser Kind Joana Papa nennen, wenn sie eine Frau ist?

Joana: Die beste Frage ist auch: „Möchtest du ein Mann sein?“ Das schließen sie aus meinem sportlichen Kleidungsstil, dabei habe ich ja auch weibliche Züge an mir.

Steffi: Oder zu mir sagen Leute manchmal: „Steffi, du hattest noch nicht den richtigen Mann!“ Woraufhin ich antworte: „Doch, ich war schon mit tollen Männern zusammen!“ Letztendlich verliebe ich mich auch nicht in das Geschlecht, sondern in einen Menschen. Und es ist jetzt Joana geworden und sie ist eine Frau und damit bin ich total fein. Ich würde aber auch nicht ausschließen, dass es ein Mann hätte sein können.

Joana: Viele Fragen gehen einfach unter die Gürtellinie.

Steffi: Das merken die meisten wahrscheinlich noch nicht einmal. Ich habe Kunden, die zu den Zeugen Jehovas gehören. Und sie haben mich bereits drei Mal zu sich ins Camp eingeladen, weil sie meinen, dass sie mir helfen können! Es ist schon abgefahren, was man alles erlebt.

Joana: Aber im Großen und Ganzen sind die Erfahrungen überwiegend positiv.

Was würdet ihr euch von der Gesellschaft wünschen?

Steffi: Ich würde mir noch mehr Toleranz wünschen – Toleranz auf der ganzen Welt, damit ich mir keine Gedanken mehr darüber machen muss, ob ich Joanas Hand halten oder sie küssen darf. Jetzt aktuell ist auch Thema, dass wir gemeinsam ein Baby bekommen und dass Joana rechtlich gesehen, niemals die Mama sein wird. Ich würde mir wünschen, dass das in Zukunft kein Thema mehr sein wird.

Joana: Ich würde mir wünschen, dass Toleranz bereits in der Schule thematisiert wird. Egal in welchem Körper du geboren bist, egal welche Hautfarbe du hast, welcher Kultur du angehörst, etc., Kinder sollen von klein auf Toleranz lernen, damit es kein Mobbing mehr gibt.

Steffi: Wir sind sehr froh darüber, dass wir so leben können, wie wir möchten und dass unser Umfeld uns so akzeptiert, wie wir sind.

Joana: Es liegt aber auch daran, dass wir selbstbewusst auftreten und dazu stehen.

Steffi: Ja, weil meine Mama und meine Oma mich schon immer bestärkt haben. Sie haben mir immer gesagt, es ist egal, wen du liebst, Hauptsache du bist glücklich. Das würde ich mir auch für andere wünschen, dass sie so frei und selbstbewusst leben können, wie wir es tun.

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