Fashion Revolution Week

Fashion Revolution Week: Warum wir uns mehr denn je engagieren müssen

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Seit jeher wird die Modeindustrie durch billige Arbeitskräfte angetrieben, um mit niedrigen Produktionskosten riesige Gewinne zu erzielen. Viele Modemarken, sowohl Luxus- als auch Fast-Fashion-Marken, sind auf der Massenausbeutung von Bekleidungsherstellern aufgebaut. Deshalb fordert die Fashion Revolution eine faire, sichere, saubere und transparente Modeindustrie. Die Organisation setzt sich für eine globale Modeindustrie ein, die die Umwelt schont und wiederherstellt sowie Menschen über Wachstum und Profit stellt.

Da die Fashion Revolution Week vom 19. bis 25. April stattfindet, möchten wir darüber berichten, was seit der Rana Plaza-Katastrophe und dem anschließenden Covid-19-Ausbruch passiert ist und warum wir uns mehr denn je für die Fashion Revolution Week engagieren müssen, um eine positive Veränderung zu bewirken.

Seit der Rana Plaza-Katastrophe

Nach der Rana-Plaza-Katastrophe im Jahr 2013, bei der mindestens 1.132 Textilarbeiter*innen ums Leben kamen und mehr als 2.500 verletzt wurden, sahen sich Marken plötzlich gezwungen – aus Angst vor Rufschädigung – Entschädigung zu zahlen. Die 30-Millionen-Dollar-Stiftung wurde von verschiedenen Modenunternehmen gezeichnet, um den Familien der Verstorbenen und denjenigen, die katastrophale Verletzungen erlitten hatten, die Last zu erleichtern. Allerdings war der Zugang zu diesen Geldern für viele schwierig. Die meisten Überlebenden der Katastrophe erhielten nichts von den Modeunternehmen oder der Regierung. 

Obwohl Marken nach der Katastrophe begannen, ihre eigenen „Verhaltenskodizes“ auf ihrer Website offenzulegen, bedeuten sie meist nichts. Die freiwillige Kontrolle der eigenen Lieferketten durch die Modeunternehmen wird niemals einen sinnvollen Arbeitsrechtsschutz für die Arbeiter bieten. Eine Regelung, die durch durchsetzbare Vereinbarungen zwischen Modeunternehmen und den Gewerkschaften definiert wird, wie z. B. der Bangladesh Accord on Fire and Building Safety, kann positive Veränderungen bringen. 

Im Jahr 2013 hatte das Worker Rights Consortium (WRC) bereits seit Jahren darauf hingearbeitet, Modemarken dazu zu drängen, ihre Herangehensweise an den Brand- und Gebäudeschutz in Bangladesch grundlegend zu ändern, um echte Sicherheitsverbesserungen in den Fabriken zu erreichen. Das WRC überzeugte die Marken erfolgreich davon, den Bangladesh Accord zu unterzeichnen.

Seit 2013 wurden im Rahmen der Vereinbarung mehr als 145.000 Sicherheitsverstöße festgestellt. 93 % der bei den ersten Inspektionen festgestellten Sicherheitsprobleme sind inzwischen behoben. Zweieinhalb Millionen Textilarbeiter arbeiten jetzt in wesentlich sichereren Fabriken. Die Modeindustrie hat die Aufgabe dieses Modell durchsetzbarer Vereinbarungen anzuwenden und die Marken und Einzelhändler dazu verpflichten, den Zulieferern einen fairen Preis zu zahlen, damit es für die Zulieferer möglich ist, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und gute Löhne zu erhalten.

Das heißt aber nicht, dass es keine Sweatshops mehr gibt. Es gibt immer noch den Widerstand der Regierung gegen Vereinigungsfreiheit und gewerkschaftliche Organisierung. Sexueller und körperlicher Missbrauch in Fabriken ist nach wie vor weit verbreitet. Arbeiter erhalten immer noch keine Abfindungen, wenn Hersteller in Konkurs gehen.

Das heißt aber nicht, dass es keine Sweatshops mehr gibt. Es gibt immer noch den Widerstand der Regierung gegen Vereinigungsfreiheit und gewerkschaftliche Organisierung. Sexueller und körperlicher Missbrauch in Fabriken ist nach wie vor weit verbreitet. Arbeiter erhalten immer och keine Abfindungen, wenn Hersteller in Konkurs gehen, 

Fashion Revolution Week
Photo via Pexels

Covid-19 trifft die Modeindustrie und ihre Lieferkette

Vor über einem Jahr wurde die Welt von der Corona-Pandemie heimgesucht. Wie viele Branchen wurde auch die Modebranche von der Pandemie erschüttert. Während sie eine Reihe von Folgereaktionen innerhalb der globalen Lieferkette der Modeindustrie auslöste, mussten Geschäfte schließen, um die soziale Distanz zu wahren, und die Käufe der Konsumenten gingen stark zurück.

Die Marken reagierten, indem sie Bestellungen bei ihren Lieferanten auf der ganzen Welt aussetzten oder stornierten, und sie weigerten sich, für bereits ausgelieferte, fertiggestellte oder in Produktion befindliche Bestellungen zu zahlen. Einige Marken verlangten von ihren Lieferanten Rabatte oder verzögerten die Zahlungen und beriefen sich auf die „Force Majeure„-Klausel in ihren Verträgen, um die Verantwortung für entstandene finanzielle Verluste abzuwehren. Infolgedessen waren die Lieferanten gezwungen, Preise für Aufträge zu akzeptieren, die unter den Produktionskosten lagen. Mit weltweit unbezahlten Aufträgen im Wert von 16 Milliarden Dollar lassen diese Modeunternehmen die Fabriken und die schwächsten Bevölkerungsgruppen ohne Einkommen zurück. 

Fabrikbesitzer kämpften darum im Geschäft zu bleiben, und mussten Arbeiter entlassen, suspendieren oder ihre Löhne kürzen. Die Arbeiterinnen und Arbeiter verloren 3-6 Milliarden Dollar an rechtlich geschuldeten Löhnen, wodurch die Textilarbeiter*innen Hungersnöten und der Angst vor Menschenhandel sowie geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt waren. 

 

Ein Jahr später…

Die Situation für Textilarbeiter ist nur noch schlimmer geworden. Die Löhne der Textilarbeiter*innen sind weltweit um 21% gesunken, von durchschnittlich 187 Dollar pro Monat auf 147 Dollar pro Monat, während die 20 umsatzstärksten Modemarken einen Anstieg ihrer Marktkapitalisierung um 11% verzeichnen konnten. Keine der profitabelsten Marken hat Geld für Abfindungen oder Entlastungen der Textilarbeiter bereitgestellt. Einer von vier entlassenen Arbeitern hat keine gesetzlich vorgeschriebene Abfindung erhalten und hat kein Sicherheitsnetz, auf das er zurückgreifen kann, so dass er von Hunger und existenziellen Nöten betroffen ist.

Vor dem Ausbruch der Krise waren die meisten Arbeiter in der Bekleidungsindustrie in Pakistan Akkordarbeiter. Nur 20 % konnten sagen, dass sie unbefristete Vertragsarbeiter waren. Nur sehr wenige der großen pakistanischen Zulieferbetriebe zahlten den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn. Normalerweise hatten sie 12-Stunden-Schichten und 4 Stunden Überstunden, aber sie bekamen nicht den doppelten Satz für Überstunden bezahlt. In der pakistanischen Bekleidungsindustrie gibt es keine echten Gewerkschaften. Die Arbeiter, von denen einige versuchen, sich zu organisieren, sind oft Drohungen und Gewalt ausgesetzt. 

Als die Pandemie in Pakistan ausbrach, haben die Fabriken die Arbeiter entlassen. Als die Schulen in Pakistan eröffnet wurden, mussten die Kinder der Textilarbeiter nicht zur Schule zu gehen, weil sie die Schulgebühren nicht bezahlen konnten. 

Fashion Revolution

Wir brauchen die Fashion Revolution Week mehr denn je

Die Pandemie hat aufgedeckt, wie ein zentraler Teil der Profitabilität von Marken durch die konsequente Unterbezahlung von Lieferanten und Textilarbeitern erzielt wird. Die erste konkrete Maßnahme, die Modeunternehmen ergreifen sollten, um das Leben der Textilarbeiter zu verbessern, ist die Bezahlung ihrer Aufträge und die Finanzierung unbezahlter Arbeiter. Darüber hinaus ist eine pünktliche Bezahlung der abgeschlossenen Aufträge durch die Unernehmen entscheidend für die Gesundheit der Branche und das Wohlergehen der Arbeiter, die auf die pünktliche Zahlung ihrer Löhne angewiesen sind. Modemarken müssen auch eine viel härtere Haltung gegenüber geschlechtsspezifischer Gewalt und der Angst vor Vergeltung einnehmen (im verarbeitenden Gewerbe, das oft in Entwicklungsländern angesiedelt ist, sind 80 % der Textilarbeiter Frauen). 

Niemand sollte für Mode sterben, und deshalb tragen rechtsverbindliche Vereinbarungen zwischen Bekleidungsmarken und globalen Gewerkschaften dazu bei, dass sich Katastrophen wie Rana Plaza nie wieder ereignen. Das Bangladesch-Abkommen wird jedoch am 31. Mai 2021 auslaufen. Wird das Abkommen nicht erneuert, wird die Sicherheit von mehr als 2 Millionen Arbeitern in 1.600 Bekleidungsfabriken in den Händen von freiwilligen, nicht durchsetzbaren Corporate Social Responsibility (CSR)-Initiativen liegen, die nicht in der Lage waren, Massenopfer zu verhindern.

Du kannst deinen Teil dazu beitragen, indem du deine Unterstützung für die Verlängerung des Abkommens teilst und Modemarken dazu aufforderst, Maßnahmen wie die Initiative #ProtectProgress zu ergreifen.

Für weitere Informationen über das Bangladesh Abkommen kannst du dir dieses Video der Clean Clothes Campaign ansehen (https://youtu.be/y96OuVozl7A).

Die Produktionsländer und die Textilarbeiter haben kein Stimme. Gespräche über nachhaltige Mode im West haben keine Stimmen von den Menschen, die nahe am Schmerz der Pandemie und der unethischen Praktiken der Modemarken sind. Aber du kannst dich dafür einsetzen, indem du dich während der Fashion Revolution Week engagierst. 

Gehe auf die Seite von Fashion Revolution, um herauszufinden, wie du aktiv werden kannst.

Mundpropaganda und die Bewusstseinssteigerung unter den Konsumenten kann unsere Stimmen laut genug machen, um von mächtigen Modemarken und Einzelhändlern gehört zu werden. Das Mindeste, was wir tun können ist, unsere Möglichkeiten und Stimme zu nutzen, um einen humanen, sicheren und würdigen Arbeitsplatz für diejenigen zu fordern, deren Schreie nach Gerechtigkeit schon zu lange absichtlich zum Schweigen gebracht wurden und ungehört bleiben.

Shoppe und Spende

Wir spenden 5% aller Bestellungen während der Fashion Revolution Week an Fashion Revolution Germany, damit sie sich weiterhin für die Rechte der Textilarbeiter einsetzen können.

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